Arjeta Osmani
absolviert derzeit ihre Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau.
«Ich wollte meine Kinder schützen – doch dann kam die Polizei», sagte Roger Marti im
Gespräch über seinen Versuch, mit einem alten Dreirad den Verkehr zu entschleunigen.
«An der Strasse vor unserem Haus fahren die Autos recht zügig vorbei. Ich mache mir Sorgen um meine Kinder», erzählt Roger Marti aus Märwil. Daraufhin liess sich der Dreifachfamilienvater etwas einfallen – die Nachbarn waren von seiner Aktion nicht begeistert.
Märwil «Manche fahren mit 80 Stundenkilometern an unserem Grundstück vorbei und realisieren zu spät, dass hier eine Kurve ist. Teils landen sie dann bei uns auf dem Vorplatz und müssen wenden», schildert Roger Marti die Zustände vor seinem Zuhause in Märwil. Auf der Gemeindestrasse herrscht Höchstgeschwindigkeit 50. «Ausserorts fahre ich ja auch gerne mal etwas schneller, aber doch nicht in einem Wohngebiet, wo Kinder spielen könnten», betont Marti mit Nachdruck. Vor allem, seit er selber Vater von drei Kindern ist, habe sich sein Bewusstsein für die Gefahren im Strassenverkehr geschärft. «Der Spielplatz meiner Kinder befindet sich auf der gegenüberliegenden Strassenseite», erzählt Marti, «und meine Vierjährige lernt gerade Fahrradfahren.» Entsprechend oft halten sich seine Kleinen auf der Strasse auf. «Natürlich ist immer jemand da, der aufpasst, und wir bringen ihnen bei, vorsichtig zu sein. Doch das alleine entschärft die Situation nicht.»
Vor rund zwei Jahren montierte Marti deshalb eine Tafel mit der Aufschrift «Kinder spielen», später folgte ein Warndreieck, welches er auf seinem Grundstück positionierte. «Trotzdem wurde weiter gerast und manche vorbeifahrende Lastwagenfahrer standen sogar an unserem Dach an, weil sie die Kurve nicht richtig einschätzen konnten», erzählt der Märwiler. In einem nächs-ten Schritt nahm er es sogar in die eigene Hand, eine weisse Linie zu ziehen, welche den Fahrzeuglenkern die Kurve signalisieren sollte. «Jetzt schiessen zumindest nicht mehr so viele über die Strasse hinaus», sagt er. Doch einigen Rasern habe auch das keinen Abbruch getan. «Das Einzige, was wirklich helfen würde, wären offizielle Hindernisse, wie Bodenschwellen und eine 30er-Zone», ist sich der Dreifachvater sicher.
Zum Schutz seiner Kinder kramte Marti also weiter in der Trickkiste und stellte vor wenigen Wochen ein altes Dreirad an den Strassenrand, so, dass es leicht in die Strasse hi-neinragte. «Auf dem Land machen das viele, um im Wohngebiet den Verkehr zu entschleunigen», erklärt er. Kurze Zeit später klingelte es an seiner Tür: Es waren Beamte der Kantonspolizei Thurgau.
«Jemand aus der Nachbarschaft hat sich wegen unseres Dreirads bei der Polizei gemeldet», schildert Marti. Zunächst war der Familienvaterperplex: «Ich finde das einen totalen Blödsinn, wenn die Polizei extra für solche Einsätze ausrücken muss. Die haben sicher Wichtigeres zu tun.» Auch die Reaktion der Nachbarin wirft Fragen auf: «Warum hat sie nicht einfach angerufen oder kurz bei uns geklingelt? Wir hätten ihr die Situation gerne erklärt», sagt er. Konsequenzen gab es nach dem Polizeibesuch keine, einzig die Entfernung des Dreirads wurde angeordnet. «Ich würde mir wünschen, dass die Leute wieder mehr miteinander reden, anstatt gleich die Polizei zu involvieren», so Marti, der sich gerne mit der Nachbarin an einen runden Tisch gesetzt hätte, «doch leider stiess ich auf taube Ohren.»
Affeltrangens Gemeindepräsidentin Käthi Burkard versteht das Dilemma der Familie Marti: «Spielsachen und Tafeln sind eine gute Möglichkeit, um auf spielende Kinder hinzuweisen. Noch besser wäre es aber, wenn man diese regelmässig austauscht oder
ein Windrad aufstellt, das sich
bewegt – so bleiben auch Fahrer, welche die Strecke regelmässig durchqueren, aufmerksam.» Eine Sofortlösung seitens der Gemeinde habe sie leider nicht parat: «Wir sind aber gerade dabei, ein Verkehrskonzept für ganz Affeltrangen aufzugleisen, um Schulwege sicherer zu machen sowie Velo- und Spazierwege auszubauen – da sind solche Inputs auf der Gemeinde jetzt genau richtig.» Dem Polizeieinsatz kann Burkard ebenfalls nichts abgewinnen: «Ich bin immer der Meinung, man soll zuerst das Gespräch mit seinen Nachbarn suchen. Meist findet sich so eine Lösung oder zumindest ein Kompromiss.»
jms
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