Roger Edelmann
hat im Rahmen der Aktionstage gegen Gewalt an Frauen drei Sitzbänke umgestaltet.
In der Backstube aufgewachsen, führt Adrian Dörig die Familientradition weiter. Nach über 50 Jahren schliesst nun der Laden – doch die Leidenschaft fürs Backen bleibt lebendig.
Oberbüren «Ich bin in der Backstube aufgewachsen», sagt Adrian Dörig lächelnd. Er schaut zu seinem Vater Marcel, der hinzufügt: «Auch ich bin hier aufgewachsen. Noch immer habe ich grosse Freude daran, aus einfachen Zutaten etwas Gutes herzustellen.» Bereits seit 1961 verkauft die Familie Dörig in ihrem Laden die selbstgemachten Produkte, die in der dahinterliegenden Backstube zubereitet werden. Nach rund einem halben Jahrhundert soll nun Schluss sein. «Ich habe mich dazu entschieden, den Laden ab dem 1. Januar 2026 geschlossen zu lassen», erklärt Adrian Dörig mit etwas Wehmut in der Stimme. «Für unsere treue Kundschaft könnte das wie ein Schlag ins Gesicht wirken», ist er sich bewusst.
«2020 habe ich die Bäckerei übernommen», erzählt Adrian Dörig. «Ja, und das, obwohl du das einzige unserer vier Kinder warst, das nie mithalf», fügt sein Vater schmunzelnd hinzu. Die vergangenen fünf Jahre seien sehr herausfordernd gewesen, erinnert sich der 32-Jährige: «Innerhalb von drei Jahren wurden gleich drei Mitarbeitende pensioniert. Das ist zwar der Lauf der Dinge, aber einen geeigneten Ersatz zu finden war alles andere als einfach.» So schlug sich Familie Dörig die letzten Jahre mit kleinem Team und viel Einsatz durch. «Als nach den Sommerferien eine weitere Kündigung hinzukam, wurde es noch schwieriger», so Adrian Dörig.
Neben dem eigenen Laden werden in der Backstube auch Waren für das Café von Tochter und Schwester Jasmin produziert. «Das Café Elle in Niederwil hat sechs Tage die Woche offen», weiss Marcel Dörig. Dadurch entschied sich die Familie vergangenes Jahr, die Bäckerei in Oberbüren montags zu schliessen. «Das hatte spürbare Folgen», so der Bäckermeister. Doch nicht nur die veränderten Öffnungszeiten, auch die baulichen Massnahmen im Dorf liessen die Kundschaft schrumpfen: «Unsere Sorgen werden von den Behörden nicht ernst genommen», bedauert der 64-Jährige. «Die Baustelle vor dem Laden hat uns einiges an Kundschaft gekostet», betont Adrian Dörig. Die geplante Einbahnstrasse würde das Problem noch verschärfen. Zudem ist da auch noch die Konkurrenz, die nicht schläft: «Gleich gegenüber liegt der Spar, dann sind auch noch eine Migros sowie weitere Kaffees im Dorf geplant, was den Preisdruck weiter erhöht», sagt Marcel Dörig.
«Die Zeichen der Zeit», so Adrian Dörig, «zwingen uns nun zu diesem Schritt.» Doch auch wenn sich die Türen der Bäckerei Dörig Ende Dezember dauerhaft schliessen, so bleibt der Ofen nicht kalt. «Mein Vater und ich werden weiterhin produzieren», verrät der Oberbürer. Neben Bestellungen von Stammkunden möchte die Familie Dörig auch weiterhin das Asylheim Thurhof und den Volg beliefern. Auch die Oberbürerinnen und Oberbürer müssen nicht auf das Brot «vom Dörig» verzichten. «Ein etwas kleineres Sortiment wird im Café Elle bei meiner Schwester Jasmin angeboten», erzählt Adrian Dörig. Der Fokus liege ab nächstem Jahr vor allem auf dem Znüni: «Unsere Znüni-Tour werden wir ausbauen und auch das Gewerbe beliefern», verrät er. Das neue Konzept beinhalte auch eine Internetseite: «Das gab es bei uns in den letzten 50 Jahren nicht», so der 32-Jährige.
Auch wenn grosse Veränderungen bevorstehen, fühlen Marcel und Adrian Dörig dabei kein Bedauern. «Es ist ein Vorwärtsgehen, sich neu erfinden», sind sich die beiden einig. «Ich hoffe, unsere Kundschaft geniesst unser Brot in Zukunft in Niederwil anstatt in Oberbüren», so Adrian Dörig hoffnungsvoll.
Von Dominique Thomi
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