Redon Ismaili
beantwortet diese Woche die Fragen im WN-Vereins-Domino.
Elterntaxis sorgen rund um die Schulhäuser in Uzwil immer wieder für gefährliche Situationen. Die Schule informiert deshalb Eltern frühzeitig und möchte das Bewusstsein für sichere Schulwege stärken.
Uzwil Die Sorge um ihre Kinder veranlasst viele Eltern ihre Sprösslinge mit dem Auto zur Schule zu fahren und wieder abzuholen. Doch was aus Fürsorge entsteht, führt immer wieder zu gefährlichen Situationen. Wendemanöver und kurzfristiges Halten auf Trottoirs, Fussgängerstreifen oder Hauseinfahrten führen dazu, dass der Schulweg nicht sicherer wird. Mirjam Meili, Rektorin Pädagogik der Schule Uzwil, spricht über das Dauerthema.
Mirjam Meili, das Thema Elterntaxis beschäftigt viele Gemeinden seit Jahren. Warum wurde es in Uzwil jetzt erstmals sogar an einem offiziellen Eltern-Infoabend thematisiert?
Wir haben den Schuleintrittsabend für neue Kindergartenkinder neu gestaltet, um die Eltern zu informieren und auf den Übergang vorzubereiten. Martin Tobler von der Kantonspolizei St.Gallen berichtete über die Verkehrskompetenz von Kindern. Die Schule unterstützt den Verkehrsunterricht, die Verantwortung für das Üben des Schulwegs liegt jedoch bei den Eltern. Kinder haben im Strassenverkehr noch eingeschränkte Fähigkeiten und zeigen oft risikoreiches Verhalten. Deshalb sollten sie den Schulweg möglichst zu Fuss, in kleinen Gruppen und mit gut sichtbarer Kleidung zurücklegen. Diese Botschaft früh zu vermitteln, ist uns besonders wichtig.
Ist die Situation rund um die Schulhäuser tatsächlich schlimmer geworden?
Das Thema Elterntaxis ist bereits seit Jahren ein immer wiederkehrendes Thema und die Schule bittet die Eltern in den Elternabenden oder in Quartalsbriefen auch seit Jahren regelmässig darum, die Kinder den Schulweg zu Fuss bewältigen zu lassen.
Viele Eltern meinen es gut und wollen ihre Kinder schützen. Warum werden Elterntaxis aus Sicht der Schule trotzdem zum Problem?
Gefährliche Wendemanöver und regelwidriges Verhalten in den Ein- und Aussteigezonen führen zu unübersichtlichen Situationen. Kinder, die sich korrekt verhalten, müssen oft ausweichen oder unsichere Passagen passieren, was das Unfallrisiko erhöht. Wir bitten daher alle Eltern, die Verkehrsregeln einzuhalten und rund um die Schulhäuser besonders aufmerksam zu sein. Verantwortungsbewusstes Verhalten der Erwachsenen macht den Schulweg für alle Kinder deutlich sicherer.
Welche Gründe hören Sie von Eltern, die ihre Kinder trotzdem mit dem Auto bringen? Zeitdruck, Angst vor Verkehr, lange Schulwege?
Der tägliche Zeitplan ist oft eng. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass ein Schulweg zu Fuss häufig gut planbar ist, wenn er in den Tagesablauf integriert wird. Auch Laufgruppen mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft können helfen.
Wo entstehen konkret die gefährlichsten Situationen – und gibt es Schulhäuser in Uzwil, wo das Problem besonders ausgeprägt ist?
Da vor den Schulhäusern keine Parkplätze vorhanden sind, parken Eltern leider immer wieder an ungeeigneten Stellen oder warten dort. Das verschärft die Situation. Solche Beobachtungen machen wir in allen Schuleinheiten der Schule Uzwil regelmässig.
Inwieweit fällt es der Schule schwer, Eltern in dieser Frage zu beeinflussen, wenn letztlich die Eltern selbst über den Schulweg ihrer Kinder entscheiden?
Der Schulweg zu Fuss ist für Kinder ein wichtiger Lern- und Lebensraum: Sie bewegen sich an der frischen Luft, lernen sich im Verkehr zurechtzufinden, übernehmen Verantwortung und pflegen den Kontakt zu anderen Kindern. Studien zeigen zudem, dass Bewegung vor dem Unterricht die Konzentration und Lernfähigkeit verbessert. Die Schule kann informieren, sensibilisieren und die Vorteile des selbstständigen Schulwegs aufzeigen. Unser Ziel ist es, das Bewusstsein zu stärken, dass der Schulweg ein wichtiger Teil der kindlichen Entwicklung ist.
Gibt es auch Kritik von Eltern, die sagen: Die Schulwege seien zu unsicher, deshalb fahren wir unsere Kinder?
Solche Argumente hören wir ebenfalls. Die Sorge herausfordernder Verkehrssituationen und damit die Sorge um sein Kind ist verständlich und ernst zu nehmen. Gerade deshalb ist es jedoch wichtig, dass Kinder den Umgang mit und im Verkehr schrittweise lernen. Begleitete Schulwege am Anfang, das gemeinsame Üben der Route oder das Gehen in kleinen Gruppen helfen, Sicherheit aufzubauen.
Was kann die Schule konkret tun, um das Problem zu entschärfen – Sensibilisierung allein oder auch bauliche beziehungsweise verkehrliche Massnahmen?
Nicht jeder Schulweg eignet sich gut zum Gehen. Eine Zwischen-lösung kann sein, etwas entfernt zu parken und die letzten Minuten gemeinsam zu Fuss zurückzulegen, um den Verkehr vor der Schule zu reduzieren. Die Sicherheit und Infrastruktur liegt nicht allein in der Hand der Schule. Bauliche Massnahmen betreffen mehrere Gemeinderessorts und erfordern Zusammenarbeit von Schule, Gemeinde und weiteren Akteuren.
Gibt es Überlegungen wie Haltezonen weiter weg vom Schulhaus, Kampagnen oder eine Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei St.Gallen?
Wir werden weiterhin mit der Verkehrsinstruktion der Kantonspolizei St.Gallen zusammenarbeiten und die Sensibilisierung schon vor dem eigentlichen Schuleintritt starten. In den Schuleinheiten gibt es zudem immer wieder Projekte, zum Beispiel im Rahmen der Schulwegkampagne «Ich kann das. Ich geh zu Fuss.»
Von L. Eigenmann / D. Thomi
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