Aurora Veseli
beantwortet
diese Woche die Fragen im WN-Lehrlings-Domino.
Mit einer Webseite, Bannern und einem selbst gedrehten Video machen die Initianten Mike Lötterle, Christian Vogel und Marc Keller (v.l.) auf ihr Anliegen aufmerksam. ami
Seit dem 3. Mai läuft die Petition «Mühlaubrücke». Die Initianten fordern einen raschen Ersatzbau für die marode Brücke, welche Lütisburg und Bazenheid verbindet. Wie aktuelle Zahlen belegen, stösst die Petition auf eine breite Zustimmung in der Bevölkerung.
Bazenheid/Lütisburg Brücken haben eine strategische Bedeutung. Sie ermöglichen kürzere Verkehrswege und schaffen einen einfacheren Zugang. Ihre Bedeutung ist aber auch symbolischer Natur. Sie stehen für die Überwindung von Hindernissen und die Verbindung und Zugehörigkeit von Menschen. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die Sperrung der Mühlaubrücke eine emotionale Komponente erhält und die Gemüter erhitzt. «Durch die Schliessung fühlen sich die Menschen abgeschnitten», so einer der Initianten, der SVP-Kantonsrat Christian Vogel. Dies umso mehr, nachdem mit der Letzibrücke in Lütisburg bereits eine weitere Verbindung weggefallen ist.
Dass die Mühlaubrücke baufällig und sanierungsbedürftig ist, ist schon seit längerem bekannt. Bei einer statischen Prüfung wurden bereits vor vier Jahren Mängel festgestellt, woraufhin das erlaubte Höchstgewicht für Fahrzeuge auf 18 Tonnen beschränkt wurde. Um einen Ersatzneubau in die Wege zu leiten, legte die Gemeinde Lütisburg den Stimmbürgern noch im März dieses Jahres einen Projektierungskredit vor. Die Bevölkerung lehnte diesen jedoch ab, womit derzeit kein Geld für Projektierungsarbeiten zur Verfügung steht.
«Uns ist selbstverständlich bewusst, dass der Projektierungskredit erst vor kurzem abgelehnt wurde. Wir gehen jedoch davon aus, dass niemand so schnell mit einer Vollsperrung der Brücke gerechnet hat. Die Ausgangslage stellt sich nach der unerwarteten Brückenschliessung aus unserer Sicht völlig neu dar», begründen die Initianten aus den Reihen der SVP ihren Entschluss für die Petition. Dass diese Sicht offenbar von vielen geteilt wird, zeigt die rege Zustimmung, welche der Vorstoss erhält. So wurde die Petition in kürzester Zeit von weit über 1700 Personen unterzeichnet. «Mit einer derart überwältigenden Zustimmung haben selbst wir nicht im Traum gerechnet», freut sich Marc Keller, Präsident der SVP Kirchberg. Gleichzeitig fühlen sich die Initianten in ihrer Forderung bestärkt, dass die wichtige Brückenverbindung über die Thur so schnell wie möglich wieder sichergestellt werden muss. «Unser Wunsch ist es, dass die Verbindung spätestens in zwei Jahren wiederhergestellt ist», formulieren die Petitionäre ihr ambitioniertes Ziel.
Die zuständigen Gemeinden sind sich der Bedeutung durchaus bewusst, welche die Mühlaubrücke für die Bevölkerung hat. Gar so schnell, wie sich das die Unterzeichner der Petition wünschen würden, ist eine Sanierung oder ein Ersatzneubau der baufälligen Mühlaubrücke jedoch möglicherweise nicht zu bewerkstelligen. Wie Simone Rüegg, Kommunikationsbeauftragte der Gemeinde Kirchberg gegenüber den WN betonte, wollen sich Kirchberg und Lütisburg für den Erhalt der Verkehrsverbindung einsetzen. Eine besondere Erschwernis liegt dabei jedoch im Bürgerentscheid vom März. «Durch den Entscheid der Bürgerschaft hat die Gemeinde Lütisburg zum aktuellen Zeitpunkt keine Kompetenz, Ausgaben für eine Ersatzlösung der Mühlaubrücke zu tätigen», so Rüegg. Von dieser Verzögerung ist lediglich ein Ersatz für die Rohrleitung ausgenommen. Wie dem Kirchberger Gmeindsblatt vom 15. Mai zu entnehmen ist, hat eine Not-Rohrleitungsbrücke für das Gas im Moment höchste Priorität.
Die Petitionäre wollen mit Nachdruck verhindern, dass ein Ersatzneubau der Brückenverbindung auf die lange Bank geschoben wird. Vorrangig fordern sie eine rasche Übergangslösung für Fussgänger und Velofahrer. «Die Vollsperrung führt in Lütisburg, Bazenheid und im ganzen Toggenburg zu massiv mehr Verkehr und Stau», zeigen sich die Initianten besorgt. Ein Zustand, den sie nicht hinnehmen wollen. Die Mühlaubrücke stellt nach ihrer Ansicht eine unverzichtbare Verbindung im Toggenburg dar. Diese Aussage belegen sie mit aktuellen Zahlen. «Täglich passierten die Brücke vor der Schliessung über 4100 Fahrzeuge, darunter 400 Lkws», betont Mike Lötterle, SVP-Ortsparteipräsident von Lütisburg.
Die Petition, welche aktuell auf der Webseite www.muehlaubruecke.ch aufgeschaltet ist, läuft noch bis Mitte Juni. «Die Unterzeichner stammen nicht nur aus den betroffenen Gemeinden. Das zeigt die überregionale Bedeutung der Brücke», so die Initianten. Danach gefragt, wie viele Unterzeichner sie anstreben, äussern sich die Petitionäre aufgrund des unerwarteten Echos optimistisch: «Wir rechnen durchaus mit weit mehr als 2000, vielleicht gar 3000 Unterzeichnern.»
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