Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Mindestens 100 Bäume sollen es jährlich sein. Der 21-jährige Tobias Lippuner und seine Freunde haben ein ehrgeiziges Ziel. Sie möchten mit dem Verein Arbor Mundi die Biodiversität fördern und aussterbende Baumsorten schützen.
Flawil Gemütlich sitzt Tobias Lippuner auf der Flawiler Anhöhe «Lueg is Land» auf einer Sitzbank. Sein Blick schweift aber nicht in die Ferne in Richtung Appenzellerland mit dem schneebedeckten Alpsteinmassiv am Horizont. Nein, der junge Mann erfreut sich an vier rund drei Meter hohen Apfelbaumsetzlingen, die er im vergangenen Jahr mit freiwilligen Helfern eingepflanzt hat. «Wir möchten jedes Jahr sicher 100 Bäume pflanzen», sagt Tobias Lippuner. Mit «wir» meint er Leonhard Kick und zwei weitere Studenten, die mit ihm das Naturschutzprojekt «Naturperlen» ins Leben gerufen haben. Die vier haben zudem eine grosse Vision. «Wir möchten den Klimawandel nach unseren Möglichkeiten bremsen. Der menschgemachte Klimaumschwung ist Realität, und den spüren wir auch in der Schweiz», erklärt Lippuner und ergänzt, ihr Ziel sei es, als junge Menschen einen Beitrag an den Klimaschutz zu leisten und die Biodiversität in unseren Breitengraden zu fördern.
Vor vier Jahren gründete Tobias Lippuner mit Leonhard Kick das Start-up-Unternehmen frucht-X. «Wir stellten Studentenfutter aus ausschliesslich aus regionalem Anbau und mit zertifizierten Pro-Specie-Rara, also seltenen Sorten her», sagt Lippuner. Aufgrund der fehlenden Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen Detailhändlern wurde das Start-up vor einem Jahr aufgegeben. Der Gedanke an die Umwelt, die Nachhaltigkeit und die Biodiversität blieb aber in den Köpfen der frucht-X-Verantwortlichen. «So entstand unser Verein Arbor Mundi, was übersetzt ‹Baum der Welt› bedeutet. Zu den Gründern zählen nebst Leonhard und mir auch unsere Mitstudenten Mohammed El-Haj und Vivien Laurer», freut sich Lippuner.
Gemäss Lippuner befindet sich die Landwirtschaft im Wandel, das heisst, in den letzten Jahren wurden immer mehr Niederstammbäume angepflanzt. Diese weisen eine Stammhöhe von 80 bis 100 Zentimeter auf. «Wir möchten aktiv mehr Hochstammbäume pflanzen und so unser Biodiversitätskonzept auch mit Hecken und Kleinstrukturen umsetzen. Und das nicht nur ausserhalb von Dörfern und Städten. Unsere Bäume sind wahre Helden», erklärt Lippuner und fügt an, es sei wichtig, auch innerstädtisch solche Bäume zu setzen, denn sie regulieren den Temperaturhaushalt mit und sorgen für angenehmere klimatische Bedingungen.
Der Verein Arbor Mundi zählt mittlerweile 14 ehrenamtliche Mitglieder und er wird von Kantonen und Gemeinden unterstützt. «Wir sind ausschliesslich Studierende der Uni Zürich und der Hochschule in St.Gallen», sagt er. Einmal jährlich organisieren die Mitglieder eine Pflanzaktion. «Am Samstag werden wir mit vier Gruppen an neun unterschiedlichen Standorten, unter anderem in Uzwil und Flawil, Hochstammbäume pflanzen», sagt Tobias Lippuner. Der Verein koordiniert in Zusammenarbeit mit den Gemeinden die Standorte. Wenn die Setzlinge, die bereits eine Höhe von gut zwei Metern aufweisen, eingesetzt sind, sorgen Gemeinden und Landwirte für die Baumpflege. «Der Verein möchte für ein ausgewogenes Ökosystem sorgen und setzt nebst der Arterhaltung auch auf die Artenvielfalt. Durch das Einpflanzen von Setzlingen tragen wir dazu bei, natürliche Lebensräume wiederherzustellen und zu erweitern», sagt Tobias Lippuner, der sich wünscht, dass noch mehr Menschen ihrem Beispiel folgen und mithelfen, dem Klimawandel die Stirn zu bieten.
Von Andreas Lehmann
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