Cornelia Scheiwiller
stellt das Konzertprogramm 2026 im Kloster Fischingen vor.
Ein idyllischer Morgenlauf endet mit einem Schlag gegen den Kopf: Zwei Personen wurden am Istelberg in der Gemeinde Niederhelfenschwil von einem Greifvogel überrascht. Hinter den Angriffen steckt ein erstaunlicher Schutzinstinkt.
Niederhelfenschwil Der gleichmässige Rhythmus der Laufschuhe auf dem Asphalt, die kühle Morgenluft und der Blick auf den Istelberg – eine Joggingrunde wie aus dem Bilderbuch. Doch plötzlich ein Schlag gegen den Hinterkopf: Ein Vogel greift an. So erging es Anfang Juli zwei joggenden Personen in Niederhelfenschwil. Denn im Gebiet Istelberg/Hohrain kam es gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu Angriffen durch einen Greifvogel. «Bei den attackierenden Vögeln handelt es sich fast immer um Mäusebussarde, selten sind es auch Milane», erklärt Livio Rey, Biologe und Mediensprecher der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach.
Die unerwarteten Angriffe erfolgen meist von Mai bis Juli: «Dann haben die Vögel Nachwuchs», so Rey. Komme eine joggende Person in dieser Zeit in die Nähe des Horstes oder eines frisch ausgeflogenen Jungvogels, so sehen die Altvögel in ihnen eine Gefahr, fügt der Biologe hinzu. Der Mäusebussard versucht, den vermeintlichen Feind durch eine Flugattacke zu vertreiben. «Dabei geht es den Vögeln nicht darum, Menschen zu verletzen», weiss Livio Rey. «Mäusebussarde fliegen meist Scheinangriffe. Damit gelingt es ihnen am einfachsten durch Erschrecken und einen Überraschungseffekt von hinten, den vermeintlichen Feind zu vertreiben. Auf diese Weise besteht für den Mäusebussard keine Gefahr, selbst verletzt zu werden.» Bei einem Angriff eines Bussards sollte man sich rasch entfernen, rät Rey. «Dann hat der Vogel keinen Grund mehr, erneut anzugreifen.»
Bei über 15’000 Mäusebussardpaaren und unzähligen Joggerinnen und Joggern jeden Tag sei ein solcher Vorfall wie in Niederhelfenschwil jedoch sehr selten, verrät Livio Rey. «Pro Jahr werden nur etwa ein Dutzend solcher Fälle bekannt.» Wer zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sei, weiss der Mediensprecher der Vogelwarte Sempach, bleibe in der Regel von solchen Attacken verschont. «Die Angriffe erfolgen meist nur auf joggende Personen. Es gibt aber auch hier Ausnahmen», betont er. In Extremfällen können Joggerinnen und Jogger in einem Umkreis von etwa 500 Metern attackiert werden. «Ist bekannt, dass ein Mäusebussard in einem Gebiet angreift», rät Rey, «meidet man dieses Gebiet am besten für einige Zeit oder durchquert es nur gehend.» Dies sei weitaus effizienter, als eine Mütze oder Augen am Hinterkopf anzubringen.
Die Attacken der Greifvögel sind meistens nicht gefährlich. «Man kommt mit einem Schrecken davon. In einzelnen Fällen können sich die Opfer auch Kratzer einfangen. Die Wunde sollte dann desinfiziert und der Impfschutz gegen Starrkrampf, auch Tetanus genannt, überprüft werden», rät Livio Rey.
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