Aurora Veseli
beantwortet
diese Woche die Fragen im WN-Lehrlings-Domino.
Florence Leonetti ist seit 14 Jahren für die Programmgestaltung des Wiler Theaters
zuständig. Die Gesamtleiterin hat auch das Jubiläumsprogramm zusammengestellt. lin
Die Tonhalle Wil wird 150 Jahre alt. An den ersten beiden Juniwochenenden wird der Geburtstag des historischen Theaters mit einem Sonderprogramm zelebriert. Die Gesamtleiterin Florence Leonetti gibt einen Einblick in die Bedeutung und Herausforderungen des Wiler Kulturbetriebs.
Wil «Die Tonhalle ist seit 150 Jahren ein Ort der Begegnungen. Es ist ein Ort, an dem die Menschen aus der Stadt und der Region zusammenkommen», betont Florence Leonetti. Sie ist die Gesamtleiterin des Wiler Theaters. Obwohl das Gebäude nun bereits eineinhalb Jahrhunderte alt sei, habe man in der Vergangenheit noch nie ein Jubiläum gefeiert, weiss die Sirnacherin.
Die Tonhalle wurde 1876 von der Ortsbürgergemeinde Wil erbaut. «Rein architektonisch ist es eines der schönsten Theater der Schweiz – ein richtiges Bijoux», sagt Leonetti. Die Bauherrschaft habe sich vor 150 Jahren richtig ins Zeug gelegt: Das Projekt sei schliesslich beinahe doppelt so teuer gewesen als ursprünglich geplant. «Eigentlich hätte die Ortsbürgerschaft nur einen Mehrzweckraum bauen müssen – eine Turnhalle, in der auch Aufführungen stattfinden können sollten. Die Eigentümer des Gebäudes tätigten über die Jahrzehnte mehrere Grössere Investitionen in die Tonhalle: In den Jahren 1904 und 1943 erfolgten Renovationen und Erweiterungen. 1974 bis 1976 wurde der Vorplatz zwischen der Tonhalle und dem Schulhaus ausgehoben, um das Gebäude um den kleinen Saal zu erweitern. Mit der Sanierung und Renovation 2005 bis 2006 wurden Sicherheit, Komfort und Technik den Anforderungen der heutigen Zeit angepasst.
«Mit dem Ausbau des Untergeschosses wurde auch das Konzept der Tonhalle angepasst: Von da an fanden mehr Veranstaltungen und vor allem auch Gastspiele statt», erzählt die Gesamtleiterin. Sie verantwortet die Planung und Organisation ebendieser Anlässe seit nunmehr 14 Jahren. Die Herausforderung bei der Programmgestaltung sei es, die vielfältigen Produktionen, Vereinsanlässe, privaten Veranstaltungen sowie Parlamentssitzungen unter einen Hut zu bringen. «Die Tonhalle soll ein Ort für alle sein, deshalb braucht es ein abwechslungsreiches Programm, das trotzdem einem roten Faden folgt», erklärt Florence Leonetti. Parallel zum Jubiläumsprogramm ist sie bereits in der Planung der Saison 27/28.
Auf die Frage, welcher Programmpunkt Leonetti in den vergangenen 14 Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist, hat sie keine konkrete Antwort: «Es gab so viele tolle Ereignisse, dass ich keines besonders hervorheben kann oder will.» Eine besonders prägende Zeit sei jedoch die Corona-Krise gewesen. «Wir mussten den Betrieb schliessen, ohne zu wissen, wann wir wieder öffnen
können», erinnert sich die Sirnacherin. Umso schöner sei es nun, dass es wieder gut läuft – sogar besser als vor der Krise, freut sie sich.
Tatsächlich zeigen auch die aktuellen Zahlen des Vorverkaufs vom Jubiläumsprogramm: Das Interesse ist hoch – bei allen Veranstaltungen sind bereits über die Hälfte der Plätze reserviert. Dies bestätigt Florence Leonetti: «Kultur bleibt relevant. Das, was wir hier machen, deckt ein klares Bedürfnis der Leute – ansonsten hätten wir nicht eine solche super Auslastung.» Der Durchschnittstheaterbesucher sei 55 Jahre alt. Daran habe sich in den vergangenen Jahren nicht viel geändert, weiss die Gesamtleiterin. Die Befürchtung, das Theaterpublikum würde aussterben, sei allerdings ein alter Hut. «Nur der Geschmack des Publikums hat sich verändert», so Leonetti. Musikalische Stücke und leichte Muse seien gefragt. Für schwere Klassiker gebe es immer weniger Publikum. «Natürlich dürfen Stücke auch zum Denken anregen. Aber gerade in der aktuellen Zeit, wo die Welt nicht immer fröhlich ist, ist es schön, den Alltag für ein paar Stunden zu vergessen.» Diesen Effekt soll auch das
geplante Jubiläumsprogramm beim Publikum erreichen.
Im Zentrum des Jubiläums im Juni steht die Idee, die Tonhalle als Ort der Begegnung zu feiern. Florence Leonetti setzt deshalb auf ein vielfältiges Programm mit Künstlern, Orchestern und Vereinen, die seit Jahren mit der Tonhalle verbunden sind. Die Tonhalle sei nicht nur Station von bekannten Künstlerinnen und Künstlern, die lokalen Vereine seien für den Betrieb ebenso wichtig, betont sie. «Diejenigen Künstlerinnen und Künstler, die häufig bei uns auftreten, sollen auch beim Jubiläum eine Gelegenheit dazu haben», so Leonetti. Unter den zehn Programmpunkten sind unter anderem das Symphonische Orchester, die Universal Brass Band, verschiedene Chöre sowie die Singbox. Für Familien und Kinder stehen Sandmalerei oder das Kinderkonzert der Silberbüx auf dem Jubiläumsprogramm.
Linda Bachmann
Samstag, 6. Juni
Sonntag, 7. Juni
Samstag, 13. Juni
Sonntag, 14. Juni
Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Tickets können online unter www.tonhallewil.ch reserviert werden. Für Speis und Trank wird gesorgt.
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