Arjeta Osmani
absolviert derzeit ihre Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau.
Grosse Anlässe in Wil sollen zukünftig besser gegen Amokfahrten geschützt werden: Der Stadtrat will für eine halbe Million Franken mobile Strassensperren kaufen. Erste Erfahrungen mit Sperrelementen wurden bereits bei der diesjährigen Wiler Fastnacht gemacht.
Wil Die Bilder aus europäischen Städten, in denen Fahrzeuge in Menschenmengen rasen, sind vielen noch präsent. Nicht nur in Gross-städten, auch in der Stadt Wil führen diese Ereignisse zu weitergehenden Sicherheitsüberlegungen. Nun beantragt der Stadtrat einen einmaligen Kredit von 485’000 Franken für die Beschaffung mobiler Strassensperren sowie jährlich wiederkehrende Ausgaben von 43’000 Franken für die Logistik und die Miete zusätzlicher Elemente.
Die bisher eingesetzten Sperren mit Vauban-Gittern, Fahrzeugen oder ähnlichen Hindernissen stellen gemäss Stadtrat vor allem eine optische Barriere dar und genügen einem wirksamen Zufahrtsschutz nicht. Gleichzeitig verursachen sie einen hohen logistischen und personellen Aufwand, der bei einer Vielzahl von Anlässen mit den vorhandenen Ressourcen kaum mehr zu bewältigen sei. Längerfristig sollen deshalb in Fussgängerzonen und Bereichen mit eingeschränkter Zufahrt fixe Schutzsysteme wie Poller oder fest verbaute Elemente zum Einsatz kommen. Kurz- bis mittelfristig setzt die Stadt jedoch auf mobile Lösungen. Im Zentrum stehen dabei die Wiler Altstadt sowie die Fussgängerzone der Oberen Bahnhofstrasse, wo sich ein Grossteil des Veranstaltungsgeschehens abspielt.
Mobile Strassensperren sollen künftig bei Anlässen eingesetzt werden, bei denen gleichzeitig mehr als 1000 Personen erwartet werden. Diesen Schwellenwert hat der Stadtrat gemeinsam mit Vertretern aus Gewerbe, Marktorganisation, Sicherheitsverbund und Polizei festgelegt. Insgesamt listet der Bericht über 19 wiederkehrende Veranstaltungen auf, für die ein entsprechender Zufahrtsschutz vorgesehen ist. An der diesjährigen Fastnacht hat die Stadt den Sicherheitsbetrieb mit gemieteten Sperrelementen erstmals getestet. Patrick Galli, Präsident der Fastnacht-Gesellschaft Wil (FGW), spricht sich auf Anfrage dieser Zeitung positiv zum neuen Sicherheitskonzept der Fastnacht aus. Die Vorkehrungen seien von der FGW wie auch von den Besucherinnen und Besuchern gut aufgenommen worden. Die Massnahmen hätten in der Vorbereitung zwar etwas mehr Zeit in Anspruch genommen, trotzdem begrüsse der Verein die Sicherheitsbemühungen.
Für zukünftige Anlässe will der Stadtrat nun 19 klappbare Elemente und 26 Dreifachelemente anschaffen. Diese sollen für alle geplanten Veranstaltungen – mit Ausnahme der Fastnacht – ausreichen. Für die Wiler Fastnacht als grösster Anlass müssen zusätzliche mobile Elemente gemietet werden. Diese Ausgaben sind in den wiederkehrenden Kosten budgetiert. Dazu kommen weitere Beträge für die Lagerung und den Transport der Sicherheitselemente. Derzeit verfügt die Stadt laut Bericht weder über ausreichend Lagerfläche noch über ein geeignetes Transportfahrzeug für den Auf- und Abbau der Systeme. Auch Personal sei nur begrenzt vorhanden und könne aufgrund des Stellenmoratoriums nicht aufgestockt werden. Der Stadtrat will die Logistik deshalb an eine externes Unternehmen auslagern.
Die einmaligen Investitionskosten von 485’000 Franken werden über zehn Jahre abgeschrieben. Mit den jährlich wiederkehrenden Kosten von rund 43’000 Franken ergibt sich daraus eine jährliche Belastung von rund 91’000 Franken. Eine Weiterverrechnung der Sicherheitskosten an die Veranstalter sieht der Stadtrat nicht als realistisch an. Die im Bericht aufgeführten Anlässe würden entweder von der Stadt Wil selbst oder mit einem erheblichen Anteil an ehrenamtlichem Engagement durchgeführt. Der Stadtrat befürchtet, dass bei einer Auferlegung von Sicherheitsgebühren viele Veranstalter von einer Durchführung absehen würden. Patrick Galli bestätigt gegenüber den WN: «Müssten wir die neuen Sicherheitsauflagen selber stemmen, wäre dies in finanzieller Hinsicht ein grosses Fragezeichen. Auch organisatorisch hätte der Aufwand den Rahmen wohl gesprengt.»
Der Stadtrat sieht bei den geplanten mobilen Strassensperren ein mögliches Vermietungspotenzial für andere Gemeinden. Konkrete Einnahmen liessen sich aber aktuell nicht beziffern. Generell sei aber davon auszugehen, dass der Bedarf an der Miete solcher Systeme in Zukunft steigen werde und dass eine frühzeitige Anschaffung und Vermietung die Ertragsmöglichkeiten verbessern würden.
Linda Bachmann
Lade Fotos..