Redon Ismaili
beantwortet diese Woche die Fragen im WN-Vereins-Domino.
Hakan Keskintürk absolviert eine Lehre als Koch EFZ in einem Personalrestaurant in Uzwil. dot
Hakan Keskintürk führte in Istanbul ein eigenes Restaurant, nun ablsoviert er eine dreijährige Lehre zum Koch EFZ in Uzwil und muss nochmals die Schulbank drücken. Der Kurde verrät, weshalb er sich mit 32 Jahren und zwei Töchtern nochmal für eine Ausbildung entschieden hat.
Wil/Uzwil Zu Fuss über die Grenze nach Griechenland und von da aus mit dem Zug in die Schweiz – Hakan Keskintürk ist vor knapp fünf Jahren aufgrund politischer Konflikte in seiner Heimat Istanbul in die Schweiz geflüchtet. Der kurdische Aktivist erfuhr über ein Jahrzehnt persönliche Einschränkungen und lebte einen Alltag in Unsicherheit. «Mir wurde klar, dass meine Familie unter diesen Umständen nicht mehr in der Türkei leben kann», erinnert sich der 32-Jährige. Mit 28 Jahren verliess er Istanbul, um sich in der Schweiz ein neues Leben aufzubauen. Ein halbes Jahr später durften seine Frau und seine Tochter nachreisen.
Seit vier Jahren lebt die Familie Keskintürk nun im Wiler Südquartier – «mittlerweile mit zwei Töchtern», sagt Hakan Keskintürk stolz. Seine Frau engagiert sich im Wiler Familienzentrum und unterstützt im Quartiertreff andere Frauen bei deren Integration. Die ältere Tochter besucht die Primarschule. Der 32-jährige Familienvater führte in Istanbul ein kleines Restaurant mit einer Handvoll Angestellten. Nach einem einjährigen Intensivdeutschkurs wollte er auch in der Schweiz wieder als Koch arbeiten. «Ich habe mich in einigen Restaurants beworben, doch es war schwierig», erinnert sich Keskintürk. «Nicht nur wegen der Sprache, auch wegen der Kultur – die Esskultur, Rezepte und Zutaten in der Schweiz unterscheiden sich sehr von denjenigen in der Türkei.» Von der Integrationsstelle erhielt er die Empfehlung, eine Berufslehre zu absolvieren. Doch der Vorschlag stiess nicht von Anfang an auf Begeisterung.
«Ich hatte in meiner Heimat bereits eine Ausbildung zum Koch absolviert. Mit zwei Kindern war es auch finanziell schwierig», so Hakan Keskintürk. Mit der Unterstützung der verantwortlichen Stellen des Kantons und der Gemeinde hat er schliesslich eine Lehrstelle bei der SV Schweiz AG, der Betreiberin des Personalrestaurants der Firma Bühler in Uzwil, erhalten. Aktuell besucht der 32-Jährige die Berufsschule im zweiten Lehrjahr. An einem Tag in der Woche muss er am Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum St.Gallen (GBSSG) die Schulbank drücken.
Das erste Schulsemester war für Keskintürk besonders herausfordernd. «Ich musste mich nicht nur an eine neue Sprache, sondern auch an ein ganz anderes Bildungssystem gewöhnen.» Die Arbeit in der Küche falle ihm oft leichter als der Unterricht, da er viele praktische Abläufe bereits aus früheren Erfahrungen kenne. Trotzdem gehe er gerne zur Schule. Die Lehre befähigt nicht nur zur Ausübung des Berufs, ist sich der 32-Jährige bewusst. «Es ist eine tolle Chance, die Schweizer Kultur kennenzulernen und die Allgemeinbildung zu erweitern.» Dies sei einer der grössten Unterschiede zwischen der Ausbildung in seiner Heimat und derjenigen in der Schweiz, weiss er. Allgemeinbildung sei in Istanbul nicht Teil der Berufsbildung.
Nach einem Semester hat sich Hakan Keskintürk eingelebt und seine Leistungen haben sich deutlich verbessert. «Jetzt habe ich aber sogar bessere Noten als der Klassendurchschnitt.» Dies habe er unter anderem einem Tipp einer seiner Deutschlehrerinnen und seiner eigenen Disziplin zu verdanken, verrät er. «Sie hat uns geraten, wir sollen Zeitung und Nachrichten lesen. Im Alltag werden oft andere Wörter gebraucht als in der Schule.» Deshalb hat der 32-Jährige begonnen, regelmässig die «Wiler Nachrichten» zu lesen. «So erfährt man auch etwas über die Kultur, welche Konzerte sind oder welche Kinofilme laufen.»
Das Ziel von Hakan Keskintürk ist es, irgendwann wieder ein eigenes Restaurant zu eröffnen. «Ich habe gemerkt, dass unsere Küche in der Schweiz nicht sehr beliebt ist. Die Leute kennen, wenn überhaupt, nur einzelne Gerichte.» Dies möchte er ändern. Denn, dass man sich auf andere Kulturen einlassen kann, hat er selbst erfahren. «Anfangs mochte ich Appenzeller Käse nicht. Ich fand es komisch, dass er mit Hörnli und Apfelmus kombiniert wird», so der 32-Jährige. Mittlerweile sei «Chäshörnli» eines seiner liebsten Schweizer Gerichte. Zu Hause koche er meistens Gerichte aus seiner Heimat. «Es ist ein Stück Zuhause.» Manchmal wünsche sich seine Tochter aber Menüs, die sie am Mittagstisch gegessen habe. Diesen Wunsch schlage er ihr nicht aus.
Von Linda Bachmann
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