Redon Ismaili
beantwortet diese Woche die Fragen im WN-Vereins-Domino.
In Rossrüti wird ein Windpark geplant. Um die Eignung des Gebiets im Boxloo zu überprüfen, werden dort zuvor Windmessungen durchgeführt. Erst im Februar wurde das Axpo-Windprojekt am Flumserberg abgebrochen.
Wil Drei Anlagen, die Strom für rund 5000 Haushalte liefern – im Boxloo könnte zukünftig ein Windpark für erneuerbare Energie sorgen. In den kommenden Tagen errichtet Axpo am besagten Standort einen 125 Meter hohen Windmessmast. Dieser soll umfassende Daten zur Windgeschwindigkeit und Windrichtung sammeln, um die wirtschaftliche Machbarkeit des Projekts zu beurteilen. Diese war gemäss der Axpo in Flums nicht gegeben. Dort hat das Unternehmen das Projekt nach Beendigung der Messungen wegen zu wenig Wind abgebrochen. Cédric Aubert, Leiter Windportfolio Schweiz bei Axpo erklärt, weshalb er in Rossrüti trotz der tieferen Lage des Standorts Boxloo Potenzial sieht.
Cédric Aubert, welche Daten werden bei den Messungen im Boxloo konkret erhoben?
Bei der Windmessanlage im Boxloo erfassen wir Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Temperatur und Luftdruck in verschiedenen Höhen. Zusätzlich dokumentieren wir Fledermausvorkommen sowie andere Umweltfaktoren. Diese umfassenden Daten sind notwendig, um das Windpotenzial realistisch zu beurteilen und potenzielle Auswirkungen auf die Natur zu evaluieren.
Nach welchen Kriterien entscheidet Axpo am Ende der Messphase über die Weiterführung?
Wir prüfen drei zentrale Kriterien: Ist das Windpotenzial ausreichend für einen wirtschaftlichen Betrieb? Fällt die Machbarkeitsstudie für Transport und Netzanschluss positiv aus? Ist das Projekt umweltverträglich? Nur wenn zentrale Voraussetzungen auch erfüllt sind, starten wir ein Projekt.
Gab es bereits vor der Messkampagne am Flumserberg Indizien für kritisches Windpotenzial?
Initiale Prognosen für Flumserberg waren vielversprechend. Aber genau das zeigt, warum detaillierte einjährige Messungen unverzichtbar sind. Sie liefern Realität statt Theorie. Am Flumserberg hat die Messung gezeigt, dass das Potenzial wegen komplexer Topographie unter dem erforderlichen Wirtschaftlichkeitskriterium liegt. Wie gesagt: Wenn eine zentrale Voraussetzung nicht erfüllt ist, stoppt Axpo das Projekt konsequent.
Worauf stützen sich die Erwartungen in einem potenziellen Windgebiet?
Wir nutzen den Windatlas der Schweiz, topographische Analysen und vergleichen Standorte mit ähnlichen geografischen Bedingungen. Referenzdaten von bereits betriebenen Anlagen helfen uns, Prognosen zu validieren. Danach folgen detaillierte Messungen vor Ort, um die Theorie mit der Realität abzugleichen.
Warum sollte es in Rossrüti mehr Wind haben als am Flumserberg, obwohl dieser höher liegt?
Die absolute Höhe ist weniger entscheidend als die Exposition und die lokalen topographischen Bedingungen. Ein Standort auf 1000 Metern kann weniger Wind bekommen als einer auf 600 Metern, wenn Geländeform und Exposition ungünstig sind. Rossrüti hat bessere Voraussetzungen für Windströmungen als Flumserberg. Das werden auch die kommenden Messungen zeigen.
Welche Auswirkungen hat das Scheitern des Windparks in Flums?
Für Axpo war es eine unbequeme Entscheidung, aber sie zeigt Verantwortung: Wir realisieren nur Projekte, die wirtschaftlich tragbar sind. Für die Befürworter vor Ort ist das schade – die Erwartungen waren hoch. Ich verstehe die Enttäuschung.
Wie ordnen Sie die 25 Gigawattstunden Stromproduktion für die Region Wil ein?
25 GWh können 5000 Haushalte in der Region mit Strom versorgen. Dies ist wichtig für eine Stadt wie Wil und bedeutsam für die nationale Stromversorgung, insbesondere im Zusammenhang mit Winterstrom. Das zeigt, warum Windenergie strategisch wichtig ist.
Warum ist die Live-Visualisierung am 12. März wichtig?
Transparenz ist der Schlüssel zum Dialog. Die Dimensionen sind schwierig vorstellbar. Viele fragen, wie hoch ist ein Windrad, ohne sich diese Antwort konkret vorstellen zu können. Wir wollen den Leuten die Möglichkeit geben, sich ihre eigene Meinung zu bilden. Das ist unser Anspruch: systematisch prüfen, ehrlich bewerten, offen kommunizieren, Verantwortung übernehmen.
Mit welchen Reaktionen rechnen Sie und wie gehen Sie mit kritischen Stimmen um?
Wir rechnen mit gemischten Reaktionen: Viel Befürwortung, aber auch Kritik. Das ist normal. Manchmal entstehen Windprojekte, manchmal nicht, das gehört zur Entwicklung. Wir nehmen Bedenken ernst, hören zu und erklären unsere Entscheidungen transparent. So arbeiten wir konsequent an der Energiewende mit.
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