Ramon Gschwend
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In rund zwei Jahren sollen in der Wiler Sekundarschule St.Katharina auch Jungs
unterrichtet werden. Dafür sind bauliche Anpassungen notwendig. le
In der Wiler Mädchenschule St.Katharina sollen zukünftig auch Knaben unterrichtet werden – so steht es im Entwurf des neuen Kathivertrags. Auch an den Unterrichtsinhalten und der Infrastruktur soll geschraubt werden.
Wil Der Vertrag zwischen der Wiler Privatschule St.Katharina und der Stadt Wil wurde Anfang des vergangenen Jahres durch einen Bundesgerichtsentscheid aufgehoben. Der Grund: Das Kathi ist trotz privater Trägerschaft eine öffentliche Schule und muss sich dementsprechend an rechtliche Vorgaben wie die Glaubensfreiheit und die Diskriminierungsfreiheit halten. Um die Existenz der Wiler Schule zu sichern, haben der Stiftungsrat, die Schulleitung sowie die Lehrpersonen in den vergangenen Monaten an der Weiterentwicklung der Schule gearbeitet. Ende der vergangenen Woche informierte die Stiftung, dass sie den Entwurf zum neuen Schulvertrag beim Stadtrat eingereicht habe. «Der Entwurf des neuen Schulvertrags schafft die Grundlage für die künftige Zusammenarbeit mit der Stadt Wil und die Weiterentwicklung der Schule», heisst es in dem Schreiben. «Mit der Öffnung für Mädchen und Jungen sowie für Realklassen wird die Basis für die neue Schulform geschaffen.»
Künftig wird der Unterricht im Kathi grundsätzlich in geschlechtergemischten Klassen stattfinden. Die Schule orientiert sich dabei am Rahmen des Bundesgerichtsurteils bezüglich der Gleichbehandlung der Geschlechter sowie an den geltenden kantonalen Vorgaben. Gleichzeitig bleibe eine pädagogisch sinnvolle Flexibilität erhalten: In einzelnen Fächern oder spezifischen Unterrichtssequenzen könne weiterhin geschlechtergetrennter Unterricht stattfinden. «Dieses Vorgehen folgt dem Ansatz eines bewusst gestalteten gemeinsamen Unterrichts, welcher unterschiedliche Lernbedürfnisse berücksichtigt und die individuelle Entwicklung der Jugendlichen gezielt unterstützt», heisst es in der Medienmitteilung. Dies soll zusätzlich mit einem neuen Schwerpunktemodell unterstützt werden.
Bereits vor dem Eintritt in die Oberstufe wählen Schülerinnen und Schüler einen der beiden Schwerpunkte MINT & Design oder Musik & Performance, den sie während ihrer gesamten Oberstufenzeit beibehalten. Die Wahl des Schwerpunkts stehe allen Schülerinnen und Schülern offen und setze keine Vorkenntnisse voraus. Ersterer verbindet Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik mit kreativem Gestalten. Jugendliche arbeiten projektorientiert an konkreten Fragestellungen und entwickeln praxisnahe Lösungen mit technischem und gestalterischem Anspruch. Im Fokus stehen Themen wie Produktdesign, Mediengestaltung und nachhaltige Entwicklung. Der zweite Schwerpunkt verbindet Singen, Instrumentalunterricht, Tanz, Theater und Bühnenarbeit. Die Jugendlichen entwickeln in verschiedenen Lernformen Ausdrucksfähigkeit, Kreativität, Selbstvertrauen sowie Teamkompetenz und sammeln praktische Erfahrungen bei Auftritten und Präsentationen. «Die Schwerpunkte «Musik & Performance» sowie «MINT & Design» knüpfen an bestehende Stärken des Kathis an», schreibt die Stiftung auf Anfrage dieser Zeitung. Neu soll der musikalische Bereich in einer erweiterten Form angeboten werden, welche Musik, Ausdruck, Kreativität und Bühnenpräsenz noch stärker miteinander verbindet. Die Erfahrungen im naturwissenschaftlichen Bereich durch die bestehende Partnerschaft mit der Firma Stihl sollen zukünftig ausgebaut sowie zusätzliche Zusammenarbeiten mit weiteren Firmen und Partnern aus der Region angestrebt werden.
Im Bereich Religion orientiere sich das Kathi laut der Stiftung am geltenden Lehrplan. «Das bedeutet, dass der schulische Bereich Ethik, Religionen, Gemeinschaft (ERG) durch die Schule abgedeckt wird. Der konfessionelle Religionsunterricht hingegen liegt weiterhin in der Verantwortung der Kirche. Dadurch bleiben die Zuständigkeiten klar geregelt und entsprechen den kantonalen Vorgaben», heisst es
weiter. Bauliche Erweiterung erforderlich Die Umsetzung des neuen Schulmodells wird gemäss der Stiftung bauliche Erweiterungen und Anpassungen an der bestehenden Infrastruktur erfordern: «Die geplanten Schwerpunkte und modernen Lernformen benötigen teilweise andere Lernumgebungen, beispielsweise flexibel nutzbare Räume für projektorientiertes Arbeiten, Musik, Performance oder MINT-Angebote», erklärt die Stiftung. Dabei gehe es nicht um mehr klassische Schulzimmer, sondern um zeitgemässe Lernräume, welche unterschiedliche Unterrichts- und Arbeitsformen ermöglichen würden. Für die Finanzierung der baulichen Massnahmen ist die Stiftung als Trägerin der Schule verantwortlich. Das konkrete Vorgehen würde allerdings erst im Rahmen des weiteren Prozesses geprüft. «Voraussetzung für eine definitive Raumplanung ist, dass der Schulvertrag als gesetzliche Grundlage durch Stadtrat und Parlament unterzeichnet und genehmigt ist», begründet die Stiftung. Der Start des Schulkonzepts ist in rund zwei Jahren vorgesehen, auf das Schuljahr 2028/29. So bleibe gemäss der Stiftung ausreichend Zeit für die weiteren politischen und organisatorischen Prozesse.
Linda Bachmann
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