Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Rund 2500 Pfadis aus dem ganzen Kanton verbringen im Kantonslager «Tatzä» in Jonschwil zwei Wochen voller Abenteuer, Gemeinschaft und Lagerleben. Ein Besuch bei der Pfadi Löwenburg aus Zuzwil zeigt, wie der Alltag im riesigen Camp funktioniert.¶
Jonschwil/Zuzwil Es ist kurz nach acht Uhr morgens. Über dem riesigen Zeltlager in Jonschwil liegt noch eine fast ungewohnte Ruhe. Vereinzelte Reissverschlüsse werden geöffnet, verschlafene Gesichter blinzeln in die Morgensonne. Kinder kriechen aus ihren Zelten, viele tragen bereits die typische Pfadikrawatte um den Hals. Langsam erwacht das Kantonslager «Tatzä» zum Leben.
Ganz hinten auf dem weitläufigen Gelände hat die Pfadi Löwenburg aus Zuzwil ihr Zuhause für die nächsten zwei Wochen eingerichtet. Die Zelte stehen, die Küche ist aufgebaut, die Blachen sind gespannt. Der Lagerplatz wirkt bereits wie ein kleines Dorf. «Bis jetzt hat alles geklappt. Wir konnten die Zeitpläne einhalten und alle haben ihren Platz gefunden», sagt Timo Räbsamen, der im Kantonslager unter seinem Pfadinamen «Lasso» Mitglied der Medienstelle des Kantonslagers ist. Eine grosse Herausforderung sei derzeit das Wetter. Die hohen Temperaturen verlangten den Teilnehmenden einiges ab, dazu komme das Feuerverbot. Auf das traditionelle Lagerfeuer müsse deshalb verzichtet werden. «Aber Pfadis sind kreativ. Es gibt genügend andere Möglichkeiten, um Lagerstimmung aufkommen zu lassen.»
Inzwischen versammeln sich die Kinder auf dem Lagerplatz. Leiterin «Soda» verteilt die Ämtli. Der Eisteekessel vom Vortag muss geleert und geputzt werden, Geschirr wartet auf den Abwasch. Zwischendurch erinnern die Leitenden immer wieder an die wichtigsten Regeln für den Hitzetag: «Eincremen, Hut anziehen und die Trinkflasche auffüllen.» Zum Frühstück gibt es Birchermüesli, Rührei und Speck. Auf frisches Brot verzichtet die Abteilung bewusst. «Das hätten wir bereits am Samstag holen müssen. Bis heute wäre es nicht mehr frisch gewesen», erklärt der 21-jährige Hauptleiter Findus. Für ihn ist es das erste Kantonslager als Hauptverantwortlicher. Seit rund zwei Jahren laufen die Vorbereitungen. Material organisieren, Transporte planen und das Programm zusammenstellen, jede Leiterin und jeder Leiter übernimmt dabei eigene Programmpunkte. «Ich bin selbst immer sehr gerne ins Pfadilager gegangen. Jetzt möchte ich diese Erlebnisse an die Kinder weitergeben», so Findus.
Mit 17 Teilnehmenden ist die Zuzwiler Abteilung etwas kleiner als üblich. Einige Kinder fehlen, weil das Lager dieses Jahr mitten in den Sommerferien stattfindet und sich Ferienpläne überschneiden. Am Lageralltag ändert das wenig. Das Kantonslager besteht allerdings nicht nur aus den einzelnen Abteilungen. Jede gestaltet zwar ihr eigenes Programm, gleichzeitig sorgt das Organisationsteam für zahlreiche gemeinsame Angebote. «Das ist eine grosse Planungsaufgabe», sagt Räbsamen. Schliesslich sollen sich die Programme möglichst nicht überschneiden. Angeboten werden unter anderem Flussaktivitäten, ein- oder zweitägige Ausflüge sowie Workshops wie Löten, Basteln, Funken oder Abseilen. Dazu kommen gemeinsame Feste und Begegnungen auf dem zentralen Dorfplatz. «Für viele Kinder ist genau das eines der Highlights: neue Leute kennenlernen.» Auch bei den jüngsten Pfadis ist die Vorfreude spürbar.
Für Daki, Edi und Crash ist es das erste Kantonslager überhaupt. «Es ist riesig», sagt Edi und blickt über das weitläufige Gelände. Besonders freuen sie sich darauf, andere Pfadis kennenzulernen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Warum sie überhaupt zur Pfadi gekommen sind? «Mir war am Samstag langweilig», erzählt Daki lachend. Crash ergänzt: «Meine Mama hat mich darauf aufmerksam gemacht.» Nur an die erste Nacht werden sie sich weniger gerne erinnern. «Es war richtig kalt.» Lange bleibt es an diesem Morgen jedoch nicht kühl. Schon bald brennt die Sonne auf das Lagergelände, und auf die Zuzwiler wartet die erste Tagesaufgabe: eine Foto-Challenge.
Lade Fotos..