Redon Ismaili
beantwortet diese Woche die Fragen im WN-Vereins-Domino.
Vor rund einem Jahr tauchten im Wiler Weier zwei Taucher nach dem Schweizermeisterpokal des EC Wil. Dabei sind sie unter Wasser auf eine historische Münze gestossen. Die St.Galler Kantonsarchäologie will für weitere Untersuchungen des Grundes den Stadtweier für einige Tage entwässern.
Wil Lange war es ein gut behütetes Geheimnis, das erst am Gümpelimittwoch den Weg an die Öffentlichkeit fand: Die erste Mannschaft des EC Wil feierte ihren zweiten Schweizermeistertitel so ausgelassen, dass es der Siegerpokal nur knapp überlebte. Nach der Party im Hof zu Wil landete der Pokal im Wiler Stadtweier. Wie es dazu gekommen ist, weiss bis heute niemand so genau. Aufgrund des trüben Wassers muss er in den Tagen danach von zwei Tauchern geborgen werden. Nun wurde bekannt, dass diese nicht nur den Siegerpokal des heimischen Eishockeyteams vom Grund des Wiler Weiers zutage gefördert haben, sondern auch eine jahrtausendealte Silbermünze.
«Wir haben uns zuerst nichts dabei gedacht», sagt Joel Moser. Der Stürmer der ersten Mannschaft des EC Wil war dabei, als befreundete Taucher der Mannschaft den Siegerpokal aus dem Wasser bargen. Vereinsmitglied Raphael Frick war einer der beiden Taucher. «Es war mein erster Tauchgang, nachdem ich im Winter 2024 den offiziellen Tauchschein gemacht habe. In der Nacht vor dem Tauchgang hatte es geregnet, also mussten wir im trüben Wasser nach dem Pokal tasten», erzählt er. Die Münze sei das erste gewesen, das er am Grund des Weiers gefunden habe. «Ich dachte, es handle sich einfach um ein altes Stück Metall», sagt Frick achselzuckend. Der Fund sei in den Hintergrund gerückt, als man den Pokal der ersten Mannschaft unversehrt habe bergen können.
Erst als Joel Moser die Geschichte einer Bekannten erzählte, erhielt die Silbermünze mehr Aufmerksamkeit. «Ich erwähnte sie nur in einem Nebensatz. Doch sie hat bei ihrer Arbeit öfter mit historischen Funden zu tun und wollte sich die Münze ansehen», so der Eishockeyspieler. Dann habe sie ihm geraten, die Münze bei der Kantonsarchäologie abzugeben – einen Fund nicht zu melden, könne rechtliche Folgen haben.
Vom Kanton hörten Moser und Frick lange nichts. «Wir dachten, die Münze sei wertlos und die Sache hätte sich erledigt», so Raphael Frick. Doch Anfang März kam dann die Sensationsnachricht: Die Silbermünze stammt aus dem römischen Zeitalter. Sie ist also bis zu 2000 Jahre alt und durch die geringe Strömung im städtischen Gewässer ist sie selten gut erhalten. «Über den genauen Wert haben wir keine Auskunft erhalten», sagt Moser. Die Kantonsarchäologie St.Gallen gab auch auf Anfrage dieser Zeitung keinen konkreten Betrag an. Es handle sich aber um ein Stück mit hohem historischen sowie auch finanziellen Wert. Vereinsmitglied Frick vermutet, dass das zuständige Amt so verhindern wolle, dass jemand der Beteiligten nochmal taucht, um nach mehr Münzen zu suchen. Deshalb habe die zuständige Stelle den beiden Mitgliedern vom EC Wil auch dazu geraten, ihren Fund nicht öffentlich breitzutreten.
«Das hatten wir eigentlich auch nicht vor», gibt Joel Moser zu. Denn die Nachricht eines solchen Funds im Wiler Weier hätte unweigerlich dazu geführt, dass auch das kleine Missgeschick mit dem Pokal an die Öffentlichkeit gelangt wäre. «Das hätte für eine grössere Schlagzeilegesorgt, als unser Sieg», vermutet der Stürmer. «Das wollte ich verhindern.» Nun, da der Herold den Vorfall in seiner Bulle erwähnte, sei dieses Argument hinfällig geworden. Auch die Gefahr, «Schatzjäger» zu ermutigen, könne nun ungeachtet bleiben, so der EC Wil Spieler. In der kommenden Woche würde die Kantonsarchäologie St.Gallen ihre Zelte sowieso für alle sichtbar am Weier aufschlagen.
Das Amt habe in den vergangenen Tagen bereits eigene Taucher vor Ort geschickt, weiss Raphael Frick. «Das Wasser ist zu trüb, deshalb müssen die Untersuchungen ohne Wasser stattfinden», sagt er. Anfang der nächsten Woche würden zuerst die Fische umgesiedelt, um danach den Weier ab dem ersten April langsam zu entwässern. Über die weiteren archäologischen Untersuchungsschritte gab das zuständige Amt dieser Zeitung keine Auskunft. «Ich werde mir das Ganze bestimmt mal anschauen gehen», versichert Frick. Joel Moser nickt zustimmend und sagt: «Wie cool wäre es, wenn die erste Mannschaft ausschlaggebend am Fund eines bedeutsamen römischen Schatzes beteiligt wäre.»
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