Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Cindy Schrepfer zeigt einen Teil ihrer Installation für das Pop-up-Projekt «Sensüs». le
Am Wiler Stadtweier entsteht für drei Wochen eine ungewöhnliche Sommeroase. Die Bazenheider Designerin Cindy Schrepfer verbindet Kunst, Genuss, Bewegung und Begegnung zu einem Pop-up-Projekt, das alle Sinne ansprechen soll.
Wil Noch ist es ruhig am Wiler Stadtweier. Das Wasser glitzert in der Sonne, Kinder spielen auf dem nahegelegenen Spielplatz, Spaziergänger ziehen ihre Runden. Wer hier eine Tasse Kaffee trinken oder sich auf einen kleinen Imbiss treffen möchte, sucht derzeit vergebens. Doch das wird sich ändern. Ab Freitag verwandelt sich das Ufer für drei Wochen in eine temporäre Sommeroase.
Hinter dem Projekt «Sensüs» steht Cindy Schrepfer. Gemeinsam mit freiwilligen Helferinnen und Helfern baut die Designerin derzeit einen Pavillon auf, der weit mehr sein soll als ein gewöhnliches Pop-up-Café. «Ich möchte die Leute in eine andere Welt eintauchen lassen», sagt sie. Eine Welt, die man sonst vor allem aus den Ferien kennt, mit Zeit zum Durchatmen, Auftanken und Geniessen. Die Idee dazu entstand nicht am Reissbrett. Vielmehr sei sie Schritt für Schritt gewachsen. «Das eine hat das andere ergeben. Ich habe den Stadtweier nicht gesucht», erzählt Schrepfer. Zunächst habe sie sogar gezögert. Mehrmals habe sie gehört, Wil sei ein schwieriges Pflaster für neue Projekte. Doch nachdem sie wieder vermehrt Zeit in der Stadt verbracht habe, sei ihr aufgefallen, dass etwas fehle. «Ich habe gemerkt, dass es zu wenig Orte gibt, an die ich immer wieder gerne zurückkehre. Orte, die mehr sind als ein Restaurant oder ein Café. Einen Treffpunkt mit Erlebnischarakter.» Diesen Wunsch habe sie auch in ihrem Umfeld wahrgenommen. Viele Menschen würden für besondere Erlebnisse in grössere Städte fahren. «Natürlich gibt es Angebote in Wil. Aber wenn man etwas sucht, das einen wirklich berührt und mitnimmt, wird es schwieriger.»
Genau hier setzt «Sensüs» an. Herzstück des Projekts ist eine geführte Sinnesreise. Besucherinnen und Besucher betreten einen eigens gestalteten Raum, setzen Kopfhörer auf und lassen sich während rund 25 Minuten durch die sechs Sinne führen. Schrepfers Stimme begleitet die Teilnehmenden dabei durch verschiedene Wahrnehmungsebenen. Lichtreflexionen auf Wasser, unterschiedliche Materialien am Boden und spezielle Klangfrequenzen sollen helfen, zur Ruhe zu kommen und den Moment bewusst wahrzunehmen. Die Grundidee entstand aus persönlichen Erfahrungen. Vor zwölf Jahren erlitt Schrepfer bei einem Snowboardunfall ein Schleudertrauma. Der Unfall habe ihr Leben verändert. «Ich war vorher im Duracell-Modus unterwegs», sagt sie. Danach habe sie lernen müssen, das Tempo zu reduzieren. Reisen nach Bali, persönliche Entwicklung sowie die intensive Auseinandersetzung mit Körper, Geist und Seele hätten ihren Blick auf das Leben nachhaltig geprägt. Heute beschäftigt sie vor allem die Frage, warum viele Menschen das Geniessen verlernen. «Man geniesst in den Ferien, aber im Alltag soll man vor allem funktionieren und chrampfen», sagt sie. Davon wolle sie wegkommen. Ihr Projekt solle Menschen dazu ermutigen, auch im Alltag bewusste Momente der Ruhe und Freude zu finden. «Schon eine halbe Stunde über Mittag kann reichen, um wieder bei sich selbst anzukommen.»
Neben der Sinnesreise entsteht am Weier ein vielseitiges Programm. Geplant sind Yoga- und Fitnesslektionen, Duftworkshops, Kreativangebote für Kinder sowie verschiedene Veranstaltungen am Abend. Ein Massagestand ergänzt das Angebot. Gleichzeitig soll die Oase auch ein klassischer Begegnungsort sein. Gäste können einen Kaffee trinken, Kuchen geniessen, sich auf einen Lunch treffen oder den Abend bei einer Tavolata ausklingen lassen. Besonders am Herzen liegt Schrepfer die Offenheit des Konzepts. «Es soll ein Ort für Jung und Alt sein.» Durch die Nähe zum Spielplatz seien auch Familien willkommen. Für Kinder sind an mehreren Nachmittagen kreative Workshops vorgesehen. Die ersten Tage versteht die Initiantin als Kennenlernphase. Das Sinneserlebnis ist am Eröffnungswochenende kostenlos. Danach kostet die geführte Reise acht Franken. Für Schrepfer ist das Projekt ein Pilotversuch. «Es ist eine Hauptprobe», sagt sie. «Ich möchte schauen, wie die Menschen darauf reagieren und Feedback sammeln.» Bis zum Abschluss am 26. Juni mit einem Konzertabend und DJs soll der Stadtweier zu einem Ort werden, an dem nicht nur konsumiert wird. Es soll Raum entstehen für Begegnungen, neue Erfahrungen und kleine Auszeiten.
Alle Infos zu den Events gibt es auf Instagram unter: @luos_experience oder unter: luosexperiene.com
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