Redon Ismaili
beantwortet diese Woche die Fragen im WN-Vereins-Domino.
Welche Herausforderungen stehen HOCH Health Ostschweiz für eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit noch immer bevor?
Nach den vergangenen Krisenjahren meldet der St.Galler Spitalverbund Erfolg: Ein Jahr nach der Fusion der vier Ostschweizer Spitalverbunde präsentiert HOCH Health Ostschweiz schwarze Zahlen. Eine langfristige Gesundung oder bloss ein Etappenziel?
Wil/Ostschweiz Per 1. Januar 2025 sind das Kantonsspital St.Gallen sowie die Spitäler Grabs/Altstätten, Wil und Linth zu einem gemeinsamen Unternehmen HOCH Health Ostschweiz mit einer zentralen Geschäftsleitung fusioniert. Der Schritt sollte unter anderem der finanziellen Stabilisierung der Spitäler dienen. Nach Abschluss des ersten Geschäftsjahres zeigt sich: Der Plan ist aufgegangen. Zumindest stehen auf dem Papier nach hohen Defiziten in den vergangenen Jahren erstmals wieder schwarze Zahlen: HOCH erwirtschaftete einen Gewinn von 34,4 Millionen Franken bei einem Umsatz von 1,44 Milliarden Franken. Im Vorjahr wiesen die öffentlichen St.Galler Spitäler gesamthaft noch einen Verlust von 800’000 Franken, 2023 gar einen solchen von 58,9 Millionen Franken aus. Diese Verbesserung ist gemäss Philipp Lutz, Leiter Medienstelle, allerdings nicht nur auf die Fusion zurückzuführen.
Ganz generell liessen sich mit der Fusion die Kosten besser kontrollieren und Ressourcen effizienter nutzen. So könnten Kapazitäten – unter anderem von Betten, OP-Sälen und Geräten – besser ausgelastet und Doppelstrukturen reduziert werden, erklärt Lutz. «Die Patientenprozesse werden neu unternehmensweit koordiniert und optimiert, früher hat dies jede Klinik für sich organisiert.» Neben der optimierten Kapazitätsauslastung liegen dem positiven Geschäftsabschluss aber weitere Faktoren zugrunde: Auch die permanente Leistungsentwicklung, eine kapazitätsorientierte Personalplanung und die stetige Weiterentwicklung mittels Umsetzung wichtiger Projekte – unter anderem die erfolgreiche Einführung eines neuen Klinik-Informationssystems – sind laut dem Medienverantwortlichen von HOCH Health Ostschweiz Teil des Erfolgs.
Auch durch einen erhöhten Schweregrad der stationären Fälle, insbesondere am Zentrumsspital Kantonsspital St.Gallen, wurden Mehreinnahmen generiert. Wie hoch dessen Anteil am Gesamtergebnis sei, dazu könne Philipp Lutz keine Angabe machen. Der Schweregrad ist zwar ein externer Faktor, dennoch zahlen interne Entscheidungen einen wesentlichen Einfluss auf die dadurch eingenommenen Mehreinnahmen. Zumal ein höherer Schweregrad auch zu höheren Ausgaben insbesondere beim Material führe, argumentiert Lutz. Deshalb sei es wichtig, auch die Kostenseite im Griff zu haben.
Nicht nur der Schweregrad, auch die Patientenfrequenz ist im vergangenen Jahr gestiegen. Gemäss der Mitteilung des Verbunds zum Geschäftsbericht, liegt die Zahl im stationären Bereich mit 62'694 Austritten leicht über dem Vorjahres-niveau von 62'310 Austritten. Die Zunahme der Fälle im ambulaten Setting fält mit einem Plus von 25'586 auf insgesamt 882'327 ambulante Besuche. Auch am Spitalstandort Wil haben die Frequenzen im stationären Bereich von 7138 im 2024 auf 7235 Austritte und im ambulanten Bereich von 76'484 auf 78'741 Besuche zugenommen. Auch der Spitalstandort Wil habe zur besseren Leistungsentwicklung und Produktivität einen wichtigen Beitrag geleistet, hält der HOCH-Mediensprecher fest.
Auffällig ist die steigende Anzahl der ambulanten Fälle. Dabei handle es sich gemäss Philipp Lutz um einen anhaltenden Trend, der auch dem medizinischen Fortschritt zu verdanken sei. HOCH Health Ostschweiz richte sein Angebot unter anderem mit sogenannten Tages-kliniken, wo Patientinnen und Patienten abends nach einer erfolgreichen Operation wieder nach Hause könnten, auf diese Entwicklung aus.
Trotz des positiven Geschäftsjahrs bleibe der Druck bestehen, so Philipp Lutz. «Es braucht weiterer Anstrengungen, um dieses finanzielle Niveau auch künftig halten zu können. Die Herausforderungen bleiben gross und die Rahmenbedingungen schwierig», gibt er zu. Der Spitalverband sei auf finanziell positive Geschäftsjahre angewiesen, um die für die Aufrechterhaltung und stetige Weiterentwicklung des Leistungsangebots für die Bevölkerung nötigen betrieblichen Investitionen aus eigener Kraft tätigen zu können. Dazu brauche es aber zwingend kostengerechte Tarife, betont der HOCH-Mediensprecher.
Linda Bachmann
In der Politik wird bereits über einen möglichen nächsten Schritt – eine Umwandlung des Spital-verbunds in eine Aktiengesellschaft diskutiert. Zu diesem Thema sagt Philipp Lutz nur: «Für HOCH Health Ostschweiz war entscheidender, dass wir vom Kanton mit dem Entscheid zur Fusion auch mehr Autonomie beziehungsweise unternehmerische Freiheiten erhalten haben, was uns erlaubt, ambulante Strukturen in der Ostschweiz auch ausserhalb der Spitäler zu prüfen und aufzubauen. Damit können wir agiler auf Marktanforderungen reagieren und verfügen nun endlich auch über die gleich langen Spiesse wie unsere Mitbewerber.»
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