Aurora Veseli
beantwortet
diese Woche die Fragen im WN-Lehrlings-Domino.
Stillstand ist für Stadtrat Jigme Shitsetsang keine Option, wie er betont.
In einem Monat findet die Ersatzwahl fürs Stadtpräsidium statt. Stadtrat Jigme Shitsetsang kandidiert für die FDP. Der Wiler hat aktuell zudem einen Sitz im Kantonsrat. Er erklärt, was eine Wahl ins Stadtpräsidium für ihn bedeuten würde.
Wil Stadtrat Jigme Shitsetsang ist in Wil geboren. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen in der Äbtestadt. Ausgelöst durch einen Freund, begann seine politische Laufbahn 2008 bei der FDP Wil, wo er kurz nach Eintritt zum Parteipräsidenten gewählt wurde. Dieses Amt hielt er acht Jahre inne, zehn Jahre hatte er einen Sitz im Stadtparlament, bevor er 2021 in den Stadtrat gewählt wurde und die Leitung des Departements Bildung und Sport übernahm. «Ich bin bereits sehr lange verschiedenartig in Wil tätig – sei es in Vereinen oder politisch. Die Bevölkerung kennt mich», sagt Jigme Shitsetsang. «In den vergangenen Wahlen habe ich immer sehr gute Resultate erzielt, das ist für mich einerseits eine Bestätigung, andererseits eine Verpflichtung. Es war nie mein Karriereplan, aber nun ist es der logische Schritt, für das Stadtpräsidium zu kandidieren.»
Jigme Shitsetsang, weshalb sind Sie der richtige Kandidat für diese Führungsrolle?
Ich bringe breite Erfahrung aus Privatwirtschaft, Verwaltung und Politik mit. Zudem war ich in mehreren Vereinen in Führungsfunktionen engagiert – als Präsident eines Fussballvereins stand ich in engem Kontakt mit vielen Menschen. Dadurch habe ich ein gutes Verständnis für die Bevölkerung und ihre Anliegen. Ich denke, das ist ein starke Grundlage für das Amt des Stadtpräsidenten.
Was hebt Sie von der Konkurrenz der Mitte und der Grünen ab?
Wie die anderen bringe ich einen wirtschaftlichen Hintergrund mit. Zusätzlich verfüge ich über langjährige Führungserfahrung in Verwaltung, Sozialwesen und Armee. Ich habe bereits grosse Verwaltungs-einheiten und soziale Institutionen geführt und dabei Entscheidungen getroffen, die direkte Auswirkungen auf Betroffene hatten.
Haben Sie eine reale Chance gegen Andreas Breitenmoser mit den meisten Stimmen 2024?
Wir hatten beide ein sehr gutes Ergebnis, die Differenz betrug rund 200 Stimmen. 2024 ging es aber um eine Gesamtwahl. Das ist natürlich eine andere Ausgangslage und kann man nicht eins zu eins vergleichen. Festzuhalten ist, dass wir beide im ersten Wahlgang gewählt wurden.
Sie pflegen eine enge Freundschaft mit Andreas Breitenmoser. Wie beeinflusst der Wahlkampf diese Freundschaft?
Wir arbeiten seit Beginn gut im Stadtrat zusammen. Mit der Situation können wir gut umgehen, sie hat keinen Einfluss auf unser privates Verhältnis. Wenn das Amt an den jeweils anderen geht, können wir beide gut damit leben. Ich würde es Andi gönnen und er mir genauso.
Was würde Andreas Breitenmoser über Sie sagen?
Er würde sagen, dass ich sehr pflichtbewusst bin, klar sage, was ich denke, konsequent umsetze und Verantwortung ernst nehme.
Gibt es ein politisches Thema, bei dem Sie beide sich nicht einig werden?
Aufgrund unserer unterschiedlichen Parteizugehörigkeit gibt es durchaus Themen, bei denen wir nicht gleicher Meinung sind. Im Stadtrat spielt der Parteihut aber eine untergeordnete Rolle.
Was würden Sie anders machen als Ihr Vorgänger Hans Mäder?
Das ist vor allem eine Frage der Prioritäten. Für das Präsidium der Stiftung Hof zu Wil würde ich beispielsweise weniger Zeit aufwenden. Mir ist besonders wichtig, Prozesse laufend zu überprüfen und zu verbessern.
Welchen Einfluss hätte das Amt als Stadtpräsident auf Ihren Sitz im Kantonsrat?
Ich habe vor weiterhin im Kantonsrat zu bleiben. Gerade für einen Stadtpräsidenten ist eine solche Vernetzung wichtig und bringt eher Vorteile als Nachteile.
Sie leiten das Departement Bildung und Sport. Welches sind die wichtigsten Errungenschaften Ihrer Legislatur?
Mir ist ein Kulturwandel in den Führungsstrukturen gelungen, ohne grössere Unruhe zu verursachen. Das Departement Bildung und Sport ist das grösste Departement mit den meisten Mitarbeitenden, über 2600 Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern – kein anderes Departement hat so viele tägliche Berührungspunkte. Von den zehn Schulen sind sieben Schulleitungen neu besetzt, vor allem aufgrund von Pensionierungen. Zudem konnte der virulente Lehrpersonenmangel 2023 abgefedert und die lange brachgelegene Schulraumplanung neu auf den Weg gebracht werden.
Ist der Lehrpersonenmangel also nun Geschichte?
Der Fachkräftemangel existiert noch immer. Die Situation hat sich leicht entspannt, es wäre aber zu früh zu sagen, dass wir über dem Berg sind. Auch jetzt gibt es noch Personen, die ohne Diplom unterrichten, und auf die sind wir auch angewiesen.
Die Schulraumplanung sorgt immer wieder für Diskussionen – und die sind nicht immer positiv. Befürchten Sie, dass der Diskurs die Sicht auf Ihre Person negativ beeinflussen kann?
Dass die Schulraumplanung etwas herausfordernder ist als andere Geschäfte, ist Fakt. Beim Thema Schule will und kann jeder mitreden – jeder war mal in der Schule und hat deshalb einen Berührungspunkt damit. Ein solches Departement zu führen, bedeutet Verantwortung zu übernehmen und jeden Tag Entscheidungen zu treffen. Diese Fähigkeiten braucht es auch fürs Präsidium. Ich kenne mich also mit herausfordernden Themen bereits aus und bei den letzten Wahlen hat mir die Wahlbevölkerung einmal mehr ihr Vertrauen entgegengebracht.
Vor welchen Herausforderungen steht die Stadt Wil in naher Zukunft?
Die Schulraumplanung wird uns weiter beschäftigen. Ebenso zentral ist die Stadtentwicklung: Wie können Industrie- und Gewerbeareale so weiterentwickelt werden, dass attraktive Arbeitsplätze und zusätzlicher Wohnraum entstehen? Der Bahnhof als wichtige Drehscheibe spielt dabei eine zentrale Rolle – Mobilität und gute Erreichbarkeit sind entscheidend für qualitatives Wachstum und eine hohe Lebensqualität in Wil. Gleichzeitig müssen wir uns mit den vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen gezielt weiterentwickeln. Stillstand ist keine Option – dafür braucht es eine gute Führung.
Sie haben die Ressourcen angesprochen – mit Blick auf die Finanzen ist das Amt des Stadtpräsidenten nicht sehr attraktiv...
Die Frage, ob Stadtpräsident ein Traumjob ist, würde ich nicht einfach mit Ja beantworten. Das Amt bringt viel Verantwortung und auch Ungewissheit mit sich. Davor habe ich Respekt, aber keine Angst. In meiner aktuellen Funktion bin ich es gewohnt, anspruchsvolle Herausforderungen zu lösen.
Und was wäre denn Ihr Traumjob?
Als Kind wollte ich Cowboy werden. Heute habe ich keinen klassischen Traumjob und auch keinen festen Karriereplan. Meine bisherigen Schritte haben sich jeweils natürlich ergeben. Meine aktuelle Position gefällt mir sehr gut und ist eine gute Ausgangslage für das Stadtpräsidium. Ich habe die Energie und Motivation für den nächsten Schritt.
Linda Bachmann
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