Arjeta Osmani
absolviert derzeit ihre Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau.
In der Primarschule Jonschwil ist der Zirkus Balloni zu Besuch: 160 Kinder vom ersten Kindergarten bis zur sechsten Klasse stellen innerhalb einer Woche ein Zirkusprogramm auf die Beine. Primarlehrerin Christine Vogel erzählt, welches die grössten Organisatorischen Herausforderungen sind.
Jonschwil/Sirnach Die Sonne und der strahlend blaue Himmel passten zum aufgeregten Treiben auf dem Pausenplatz der Primarschule Jonschwil. Das Zentrum der Aufmerksamkeit: Ein grosses, gelb-rotes Zirkuszelt auf der Wiese direkt neben dem Schulgebäude. Vergangenen Montagmorgen startete für die Jonschwiler Kindergärtler und Schülerinnen eine besondere Unterrichtswoche: Der Zirkus Balloni ist zu Besuch.
«Alle 180 Kinder vom ersten Kindergarten bis zur sechsten Klasse erarbeiten gemeinsam mit den Lehrpersonen ein Zirkusprogramm» erzählt Christine Vogel. Die Primarlehrerin koordiniert das Projekt gemeinsam mit ihrer Kollegin Monika Thürlemann. Insgesamt seien rund 20 Lehrerinnen, Lehrer und Klassenassistenzen daran beteiligt, verrät sie. Der Zirkus Balloni war das letzte Mal vor mehr als zehn Jahren in Jonschwil, den Sirnacher Zirkus gibt es aber schon eine ganze Weile länger: 1989 hat Lucas Pepe Cadonau das erste Mal einen Schulzirkus durchgeführt. Heute betreut das Unternehmen bis zu 40 Projekte im Jahr, verrät Gian Cadonau, Zirkustechniker und Sohn des Gründers. Er war vor Projektbeginn in Jonschwil bereits an vier Tagen vor Ort. «Die erste gemeinsame Sitzung war im September 2025», so Christine Vogel. «Mit der Planung haben wir schon vor über einem Jahr begonnen.» Doch das Zirkusprojekt sei gerade am Anfang nicht nur auf Begeisterung gestossen.
«Die Lehrpersonen waren anfangs schon etwas skeptisch», erzählt Christine Vogel. «Es ist für uns alle etwas Neues. Normalerweise machen wir in solchen besonderen Unterrichtswochen etwas, das uns bereits liegt. Nun ist es ein gemeinsames Lernen und Entdecken mit den Schulkindern.» Die Primarlehrerin leitet den Trapezworkshop, einen von 15 verschiedenen Workshops – von Jonglieren über Zaubern und Tanzen bis hin zu Fakiren und Clowns. «Ich habe dies zuvor noch nie gemacht. Genau das ist aber auch als Lehrperson cool: einfach mal zu etwas Ja sagen, das ausserhalb der eigenen Komfortzone ist», betont Vogel.
Zur Unterstützung der Lehrpersonen sind drei Zirkuspädagoginnen und -pädagogen vom «Balloni» vor Ort. Sie besuchen die verschiedenen Teams und geben Tipps und Tricks zur Gestaltung einer Zirkusnummer. Das Zirkusteam führt zwar immer dieselben Workshops durch, laut Gian Cadonau entstehen daraus trotzdem die unterschiedlichsten Vorführungen. Auf die Frage, was seinen Job für ihn besonders macht, reagiert der Zirkustechniker mit einer ausladenden Handbewegung auf den belebten Schulplatz. «Es ist toll, mit so vielen Menschen zusammenzuarbeiten. Die Kinder haben so viel Freude. Das zu sehen, ist einfach schön.» Einige der Schülerinnen und Schüler erzählen stolz, woran sie in dieser Woche üben. Moira und ihre Freundin Ursina sind Teil der Trapezgruppe. «Wir konnten drei Sachen auswählen, Trapez war meine erste Wahl», sagt Moira. Die beiden 9- und 10-jährigen Mädchen turnen in der Geräteriege. Angst vor der Höhe haben sie nicht. Auch die Frage, ob sie schon aufgeregt sind vor dem Auftritt, verneinen die beiden entschlossen. Anders tönt es von der achtjährigen Fiona. Sie macht bei der Tanzgruppe mit. Die Schülerin freut sich auf den Auftritt im Zirkuszelt. «Aber ich bin ‹scho chli ufgregt›», gibt sie zu.
Neben den Artistinnen und Artisten gibt es auch die Gruppen im Hintergrund, zum Beispiel das Küchen- und das Medienteam. «Ich bin bei den Medien», erzählt der Schüler Ramon. «Wir machen Flyer und Fotos. Und ein Buch über den Zirkus Balloni.» Pro Workshop gibt es bis zu zwölf Plätze, so Christine Vogel. «Die Aufteilung der Kinder war eine der grössten Herausforderungen im gesamten Projekt», gibt sie zu. Am beliebtesten seien unter anderem das Trapez oder die Küche gewesen. Letzteres sei vor allem für diejenigen Kinder attraktiv gewesen, die Respekt vor der Bühne hätten, weiss die Primarlehrerin. Die Aufführungen finden morgen, Freitag, um 16 und 18.30 Uhr statt. Danach wird das Zirkuszelt abgebaut und einige Kilometer weiter wieder aufgebaut: Kommende Woche führt die Primarschule Schwarzenbach dieselbe Projektwoche durch.
Linda Bachmann
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