Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Wenn Organist und Kirchenmusiker Christian Döhring und Pater Gregor Brazerol vom katholischen Pfarramt St.Idda von der neuen Orgel erzählen, dann leuchten ihre Augen. Warum das Schmuckstück in der Kirche Maria-Lourdes solch eine Besonderheit ist, haben die WN herausgefunden.
Dussnang Von aussen erstrahlt die katholische Kirche Maria-Lourdes mitten in Dussnang in einem neuen Gewand. Doch nicht nur das Gebäude hat ein neues Gehäuse bekommen, sondern auch die Orgel oben auf der Empore hinter den Kirchenbänken.
Gehäusekauf im Internet
Im Rahmen der Renovierung der Kirche Maria-Lourdes wurde auch die Orgel erneuert. Das Instrument war einst in Düsseldorf beheimatet und stand 2022 zum Verkauf. Sowohl die Kirchenmusikschule des Bistums Essen als auch die Musikhochschule Leipzig hatten Interesse. Sie zogen sich unerwartet zurück, worauf Organist Christian Döhring und Pater Gregor Brazerol das Instrument dem Kirchgemeinderat und der Baukommission vorstellten. Der 2010 fertiggestellten Orgel fehlte noch ein neugotisches Gehäuse.
«Ich war mir so sicher, dass wir etwas Passendes finden würden, und so machte ich mich vor rund einem Jahr auf die Suche», erklärt Döhring, der selbst das Orgelhandwerk beherrscht. Zeitgleich startete die Renovierung der Marienkirche. Da viele Kirchen in Deutschland und Österreich ihre Tore schliessen, gibt es einen verhältnismässig grossen Markt an kirchlichem Interieur, das zum Verkauf steht. Doch wo findet man ein passendes Gehäuse für das weltweit grösste Instrument? «Im Internet», beantwortet der Organist Döhring mit einem Lachen. Als er das Holzgehäuse fand, das jetzt in der Kirche steht, staunte er nicht schlecht und zeigte seinen Fund Pater Gregor Brazerol, der ebenfalls seinen Augen nicht trauen konnte.
Einen Treffer gelandet
Das Gehäuse von einem Händler aus Nordrhein-Westfalen stammt aus dem Jahr 1895, also in etwa aus der Zeit als die Maria-Lourdes-Kirche geweiht wurde. Das war 1892.
Mit Bildern und Zeichnungen der Wunschorgel gingen die beiden zur Denkmalpflege und zur Baukommission. «Alle machten grosse Augen, als wir die perfekt passende Orgel präsentierten», erinnert sich Christian Döhring zurück. Besonders Freude hat er an den Schnitzwerken und Holzverzierungen, die den Schein erwecken, als wäre die Orgel schon seit 1895 in Dussnang und exakt für diese Kirche konzipiert worden. «Das Instrument fügt sich schön in das Innenleben der Kirche ein und passt perfekt zu den Schnitzereien der Kanzel und Altäre», schwärmt Pater Gregor Brazerol. Anschliessend wurde ein Orgelbauer aus dem bayerischen Landshut beauftragt, das Orgelwerk und das neue Gewand in seiner Werkstatt zusammenzubringen. Auch dieser staunte nicht schlecht, dass die Masse der Dussnanger Orgel genau mit dem gekauften Gehäuse übereinstimmten. «Es ist deshalb so eine Sensation, weil jedes Instrument ein Unikat ist. Orgeln ab der Stange gibt es praktisch nicht», betont Pater Gregor.
Vier Wochen Aufbauarbeiten
Mitte November wurde die Orgel in Einzelteilen mit einem 13 Meter langen Lkw-Auflieger in strömendem Regen angeliefert. «Einen ganzen Tag lang haben wir ausgeladen und eine Auslegeordnung in der Kirche gemacht», erinnern sich die beiden zurück. Da man die Orgel nicht als Ganzes auf die Empore heben konnte, wurden die Teile auf dem Kirchenboden zusammengebaut und mit zwei Kränen nach oben gehoben.
Ein einmaliger Klang
Das eigentliche Highlight für die beiden ist der unverwechselbare Klang der Orgel. Dieser wurde anfangs Januar getestet, als auch das Innenleben fertig montiert wurde. «Die 1500 verschiedenen Pfeifen mussten alle noch eingebaut werden», betont Döhring, der seit seinem fünften Lebensjahr Tasteninstrumente spielt. Die Tonabstimmung zwischen Orgel und Kirchenraum beanspruchte nochmals Zeit und Arbeit. Er und Pater Gregor Brazerol, der ebenfalls das Instrument beherrscht, waren beide begeistert, als sie die neue Orgel das erste Mal in der Kirche Marie- Lourdes hörten. Besonders freuen sich die beiden auf die Orgelweihe Mitte Februar, an der Organistinnen und Organisten aus dem gesamten Pastoralraum spielen und die Orgel begrüssen werden.
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