Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
«Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht zufällig», so Unternehmer Joe Blättler im Gespräch.
Die Wohnraumsituation in der Schweiz ist angespannt: Land wird knapper, Regulierungen nehmen zu und die Preise steigen stetig. Umso wichtiger wird es, neue Wege zu gehen, um auch künftig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Genau hier setzt Blättler Holzbau an – braucht dafür aber mehr Land.
Ein kalter Wind weht über das Areal Froowis in Affeltrangen. Lastwagen fahren vor, auf dem bestehenden Werkareal wird gearbeitet, gehämmert, geplant. Hier treffen die «Wiler Nachrichten» Joe Blättler. Er blickt über die Fläche, die am 8. März zur Abstimmung steht. «Wir brauchen neue Wege, wenn Wohnen in der Schweiz bezahlbar bleiben soll», sagt er ruhig. «Und wir wollen hier in Affeltrangen unseren Beitrag leisten.» Die Gemeinde stimmt über die Zonenplanänderung im Gebiet Froowis ab. Konkret geht es um eine Arealerweiterung, die es ermöglichen würde, bestehende Werkflächen von Blättler Holzbau zusammenzuführen und künftige Produktionsstätten zu realisieren. Für das Unternehmen ist dieser Schritt zentral – für die Region ebenfalls.
«Land wird knapper»
Die Wohnraumsituation in der Schweiz ist angespannt. Bauland ist knapp, regulatorische Anforderungen steigen, die Preise entwickeln sich vielerorts nach oben. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung weiter, und der Flächenverbrauch pro
Person bleibt hoch. Gerade in ländlichen Regionen wird es zunehmend schwieriger, bezahlbare Eigenheime oder Mietwohnungen zu realisieren. «Land wird knapper,
Regulierungen nehmen zu und die Preise steigen stetig», fasst Blättler zusammen. «Umso wichtiger wird
es, neue Wege zu gehen.» Die Firma Blättler Holzbau setzt seit über 65 Jahren auf nachhaltiges Bauen und industrielle Präzision. Als Immobilien-Gesamtleister begleitet das Unternehmen Projekte vom Grundstück über die Planung bis hin zur Bewirtschaftung. Diese Integration ist Teil der Strategie. «Dadurch können wir Kosten, Abläufe und Qualität optimal steuern», erklärt Blättler. «Und den verfügbaren Raum effizient nutzen.»
Alles greift ineinander
Moderne Holzsystembauten, ein
hoher Vorfertigungsgrad und digitale Planungsmethoden ermöglichen es, wirtschaftlich zu bauen – trotz
hoher Landpreise, so Joe Blättler. «Referenzprojekte in St.Margrethen, Salmsach, Ramsen oder Rapperswil zeigen, wie serielles und modulares Bauen konkret umgesetzt wird»,
erklärt der Unternehmer. Auch in
Affeltrangen entstehen demnächst weitere 27 Wohnungen. Hinzu kommen Dachaufstockungen, die eine schonende Verdichtung bestehender Strukturen erlauben – ein Aspekt, der in der nationalen Raumplanung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ein entscheidender Hebel liegt in der Prozessoptimierung. In den vergangenen Jahren investierte das Unternehmen stark in Lean Management. «Planung, Produktion und
Administration greifen ineinander. Fehlerquellen werden reduziert, Schnittstellen klar definiert», so Joe Blättler. Ab Sommer 2026 wird eine zweite Abbundanlage in Betrieb genommen – auch für Lohnabbund. «Standardisierung, Automation und hohe Präzision sind die Basis der nächsten Generation des Bauens», sagt Blättler. Perspektivisch sollen auch KI-gestützte Prozesse unterstützen.
Fachkräftemangel abfedern
Diese Industrialisierung des Bauens hat laut Blättler mehrere Effekte: Sie hilft, den Fachkräftemangel abzufedern, verlagert wertschöpfende Arbeit ins Werk und reduziert Emissionen auf der Baustelle. Transporte werden optimiert, Bauzeiten verkürzt, Witterungsrisiken minimiert, Abläufe transparenter, Kosten kalkulierbarer. Für Investoren wie für künftige Bewohner bedeutet das mehr Planungssicherheit. Für Blättler ist klar: «Wenn wir effizienter produzieren, können wir günstiger bauen – ohne bei Qualität oder Nachhaltigkeit Kompromisse einzugehen.»
Ein wesentlicher Baustein
Damit diese Entwicklung weitergehen kann, plant das Unternehmen die Produktionswerke 5 und 6. Dort sollen zusätzliche Raummodule wie auch Einzelelemente vorgefertigt werden, die auf der Baustelle innert kurzer Zeit montiert werden können. Die dafür notwendige Zonenplanänderung ist laut Blättler ein wesentlicher Baustein. Sie würde bislang getrennte Parzellen verbinden und eine zusammenhängende, effizient nutzbare Werkfläche schaffen, die bereits seit Jahren im Richtplan vorgesehen und teilweise erschlossen ist. Abhängig davon wird demnächst mit der Realisierung von
Werk 4 begonnen. Gleichzeitig betont Blättler, dass Wachstum für ihn kein Selbstzweck sei. «Wir wachsen nicht um des Wachstums willen. Wir wachsen, weil wir überzeugt sind, dass wir mit unserer Bauweise einen Beitrag zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems leisten können.» Bezahlbarer Wohnraum sei nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine soziale Frage. Wenn junge Familien, Fachkräfte oder ältere Menschen keinen passenden Wohnraum mehr finden, habe das direkte Auswirkungen auf Dorfgemeinschaften, Vereine und das lokale Gewerbe.
«Denken in Generationen»
Für die Gemeinde stellt sich damit eine Grundsatzfrage: Wie soll sich Affeltrangen entwickeln? Blättler Holzbau ist seit über 26 Jahren im Dorf verwurzelt. Das Unternehmen engagiert sich in Vereinen, bildet Lernende aus und investiert kontinuierlich in moderne Arbeitsplätze. Ab Sommer starten neue Zeichner-, KV- und Zimmermannlernende ihre Ausbildung. «Wir denken in Generationen», betont Blättler. «Unsere Investitionen sind ein Bekenntnis zum Standort.» Am Ende des Gesprächs wird deutlich: Die Abstimmung vom 8. März ist für Joe Blättler mehr als ein planerischer Entscheid. Sie sei ein Signal. Ein Signal dafür, ob eine Gemeinde bereit ist, innovative Produktionsformen zu ermöglichen und damit aktiv an Lösungen für die Wohnraumfrage mitzuwirken. Joe Blättler blickt noch einmal über das Areal welches im Fokus steht. «Wir wollen hier nicht einfach mehr Fläche», sagt er. «Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, um weiterhin bezahlbaren Wohnraum für die Region zu entwickeln – verantwortungsvoll, nachhaltig und mit langfristiger Perspektive.» Am 8. März liegt der Entscheid bei der Bevölkerung von Affeltrangen.
Lui Eigenmann
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