Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
In Susanne Schärs Schmuckladen kommt aktuell auch Kundschaft, nur um zu spenden. dot
Wenn das Wallis erschüttert wird, bleibt es in der Ostschweiz nicht ohne Echo: Geschäftsfrau Susanne Schär entschied sich, zu handeln, ohne Umweg über grosse Organisationen.
Oberuzwil «Ich spürte tiefe Betroffenheit mit den Menschen, die ihren Ruhepol, ihr Zuhause, ver-loren haben», sagt Susanne Schär über die Katastrophe, die sich Ende Mai im Wallis ereignete. Das Ausmass der Staubwolke, die beim Sturz von Gestein und Geröll ausgelöst wurde, war für sie schrecklich und spektakulär zugleich. «Mein erster Gedanke galt den Menschen, die nun alles verloren haben.» Für die Inhaberin der Uhren- und Schmuckwerkstatt Schär war schnell klar: Sie möchte helfen. Nicht nur, weil sie Freunde im Wallis hat und sich gerne dort aufhält, sondern auch, um Solidarität gegenüber dem Schweizer Volk zu zeigen. «Über Nacht kam mir die Idee, eine Spendenaktion auf die Beine zu stellen, und ich setzte diese gleich am nächsten Morgen in die Tat um.»
Susanne Schär beschloss, zehn Prozent ihres Barumsatzes Ende des Monats an die Betroffenen der Walliser Gemeinde Blatten zu spenden. Doch weshalb beschränkt sie sich auf den Betrag in bar? «Ich wollte die Gelegenheit nutzen und das Bewusstsein für Bargeld wieder stärken», sagt sie. Denn mit Kreditkarte zu zahlen, sei zwar praktisch, jedoch für ihr Geschäft nicht unbedingt lukrativer. «Bei jeder Zahlung mit der Karte werden mir im Schnitt 1,7 Prozent abgezogen. Der Betrag landet dann direkt bei der Bank», weiss Schär. Dass die Kundschaft vermehrt mit Karte bezahlt, sei vor allem seit Corona gang und gäbe. «Ich kann verstehen, dass es bequem ist, mit Kreditkarte zu zahlen. Dass dabei Gebühren für die Unternehmen anfallen, ist wohl den meisten nicht bewusst», so Schär.
Doch auch wer mit der Karte bezahle, erzählt die 48-Jährige, spende vielfach einen Betrag. «Wir haben viele Kundinnen und Kunden, die uns sagen, wir sollen den Betrag doch aufrunden», freut sie sich. Daraus entstand die Idee einer Spendenkasse. «Diese Summe wird natürlich zu 100 Prozent auf das Spendenkonto der Gemeinde Blatten überwiesen», stellt Schär klar. So ist es in den letzten Tagen mehrfach vorgekommen, dass Leute die Schmuckwerkstatt an der Gerbestasse 2 betraten, um einfach einen Betrag zu spenden. «Es kam kürzlich eine Dame vorbei, drückte mir 300 Franken in die Hände und meinte: ‹Spenden Sie das ins Wallis.›», freut sich Susanne Schär. Bis heute kamen so bereits 1320 Franken zusammen. «Wir sammeln noch bis Ende Juni», verrät sie.
Für Susanne Schär ist klar: «Den Betrag, den wir hier zusammenbringen, ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein.» Sie wünscht sich vor allem vonseiten der Regierung eine bessere Unterstützung. «Dies gilt ja nicht nur für Blatten. Es gibt auch andere Gegenden in der Schweiz, die dringend Hilfe benötigen.» Es würden Milliarden ins Ausland investiert, während im eigenen Land dringender Handlungsbedarf bestehe, meint Schär. «Ich wünsche mir, dass mehr in die Schweiz investiert wird.» Bis es so weit ist, gibt es Menschen wie Susanne Schär, die nicht zögern, zu helfen, wenn andere alles verloren haben.
dot
Sende uns ein Bild oder Video! Bild hochladen
Wir verwenden Cookies zur Unterstützung der Benutzerfreundlichkeit. Mit der Nutzung dieser Seite erklären Sie sich einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte unsere Datenschutzerklärung
Lade Fotos..