Arjeta Osmani
absolviert derzeit ihre Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau.
Thomas Abbt, Mike Holenstein und Thomas Dürlewanger (v.l.) vom OK der Wiler Weinstrasse. lin
Am 29. Mai findet in der Altstadt die fünfte Wiler Weinstrasse statt. Mike Holenstein, Thomas Dürlewanger und Thomas Abbt aus dem OK verraten, wo der Fokus des diesjährigen Degustationsanlasses liegt und wie sie die jüngeren Generationen ansprechen wollen.
Wil «Die Situation auf dem Weinmarkt ist prekär – die Weinwelt befindet sich im Umbruch», sagtThomas Dürlewanger. Der Wiler Weinexperte gehört zu den Gründern des Vereins Wiler Weinstrasse. Tatsächlich nahm der Weinkonsum in der Schweiz über die vergangenen Jahre immer weiter ab. Gemäss Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) ist er 2024 gegenüber dem Vorjahr um knapp acht Prozent gesunken, also 18,6 Millionen Liter weniger als noch 2023. «Das führt zu einer drastischen Reduktion der Anbauflächen. Wenn es so weitergeht, können bis zu 4000 Hektar Rebfläche wegfallen», weiss Dürlewanger. Der Grund für den Konsumrückgang ist unter anderem das wachsende Gesundheitsbewusstsein, vor allem von jungen Menschen. «Weinproduzenten, die nicht aus der Masse herausstechen, verschwinden. Es müssen neue Ideen her», betont der Weinexperte.
An der fünften Ausgabe der Wiler Weinstrasse am Freitagnachmittag, 29. Mai setzt das Organisations-komitee deshalb zwei wesentliche Schwerpunkte: Exklusivität und das junge Publikum. «Es ist wichtig, dass wir auch die jüngere Generationwieder mehr abholen können», betont Thomas Dürlewanger. Um deren Bedürfnisse abzuholen, hat sich der Verein dieses Jahr um Produzenten bemüht, die auch Low-Alcohol- oder alkoholfreie Weine anbieten. Doch es soll heutzutage nicht nur gesünder sein, sondern auch schneller gehen, weiss der Wiler Weinexperte. «Wein für jüngere Leute muss unkompliziert sein, also «ready to drink». Kaum mehr jemand kauft sich einen Wein und lagert die Flasche zuerst fünf Jahre. Rund zwei Drittel aller Konsumentinnen und Konsumenten kaufen die Weinflasche für den Abend erst am selben Tag.»
Noch wichtiger als die Verfolgung aktueller Trends ist die Exklusivität des Weins, ist sich Thomas Dürlewanger sicher: «Es gilt Klasse statt Masse. Nur Produzenten mit Alleinstellungsmerkmal können sich längerfristig auf dem Markt behaupten.» Mit der Degustation in der Wiler Altstadt will der Verein exklusive Weine einfach zugänglich machen. «An dem Freitagnachmittag können von 15 bis 21 Uhr über 250 Sorten Wein von rund 50 verschiedenen Weinproduzenten degustiert werden – Schaumweine, Weissweine und Rotweine», so Thomas Abbt, Marketingverantwortlicher des Vereins.
«Wir haben eine unglaubliche Auswahl an Topproduzenten aus insgesamt neun Ländern auf dem Platz», so Thomas Dürlewanger. Darunter seien unter anderem Exoten aus dem Kosovo oder aus Washington State, der Schwerpunkt liege aber auf dem einheimischen Schaffen und auf dem italienischen Wein. «Es hat mich selber erstaunt, auf wie viel Interesse unser Anlass gestossen ist», gibt der Weinexperte zu. Er vermutet dahinter zwei Gründe: Erstens sei es für die Winzer aktuell wichtig, sich präsentieren zu können, andererseits habe sich die Wiler Weinstrasse in den vergangenen zehn Jahren etabliert. So habe der Verein Top-Namen wie Domäne de Beudon aus Fully, Château Beaucastel, das Kultweingut der Familie Perrin aus dem Châteauneuf du Pape und Tua Rita, den Maremma Star aus der Toscana begeistern können.
Neben den Degustationsmöglichkeiten auf dem Hofplatz gibt es dieses Jahr fünf spezielle Wein-Masterklassen in verschiedenen Restaurants in der Altstadt. «Das erste Mal in der Geschichte der Wiler Weinstrasse ist der beste Sommelier der Welt, Eros Teboni zugegen und präsentiert in einer Masterklasse die besten Weine aus dem Südtirol», freut sich Dürlewanger. Auch Chandra Kurt, die Familie Perrin, Stefano Frascolla und Gilles Besse veranstalten eine Masterklasse. Die Wiler Weinstrasse sei aber nicht nur bei Produzenten, sondern auch bei Besuchenden über die Landesgrenzen hinaus bekannt, betont Mike Holenstein, Präsident des Vereins stolz. Der Vorverkauf sei deshalb bereits gut angelaufen, ergänzt Thomas Abbt. «Der Anlass ist für 1000 Leute ausgelegt. Bei sonnigem Wetter waren wir auch schon um 19 Uhr komplett ausverkauft.»
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