Lukas Tribelhorn
verrät, wie es nach der Niederlage von «Wil will wohnen» weitergeht.
In der Liegenschaft zum Turm sollte ursprünglich ein Musikschul- und Kulturzentrum entstehen. lin
Der Entscheid, die Liegenschaft zum Turm in einem Grundstücktausch zu veräussern, rutschte an der Parlamentssitzung vor einer Woche ohne Gegenstimmen durch. Anders verhielt es sich mit dem Kreditantrag des Stadtrats für den Doppelkindergarten im Städeli. Wie geht es nun weiter?
Wil Nach einigen gescheiterten Lösungs- und Zwischenlösungsansätzen gab die Stadt Wil Ende November 2025 überraschend bekannt, dass in der Liegenschaft zum Turm ein Gesundheitszentrum entstehen soll. Dazu beantragte der Stadtrat beim Parlament die Veräusserung der Parzelle 925W, auf welcher der «Turm» steht, im Rahmen eines Grundstückstauschs mit der privaten Investorin Evoluo AG.
«Die Liegenschaftenkommission ist der Überzeugung, dass mit dem Tauschgeschäft ein schwieriges städtisches Objekt einer sinnvollen Entwicklung zugeführt wird», sagte deren Präsident Benjamin Büsser an der Parlamentssitzung vergangene Woche zum Geschäft. Die Mitglieder der Liegenschaftenkommission stimmten dem Antrag des Stadtrats geschlossen zu. Diese Haltung spiegelte sich auch unter den restlichen Parlamentariern in der Tonhalle wider: Positiv bewertet wurden unter anderem die Sicherung der medizinischen Grundversorgung, die geplanten Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und die öffentliche Nutzung des Erdgeschosses. Auch im Gewinn zweier Liegenschaften im Stadtzentrum, gegen die das Grundstück an der Tonhallenstrasse eingetauscht werden soll, sehen die Parlamentarier Vorteile. «In einer Zeit knapper Finanzen ist das ein echter Mehrwert, der Handlungsspielraum und Planungssicherheit bringt», bewertet Markus Grämiger im Namen der Mitte-EVP-Fraktion das Geschäft. Doch auch die Kritik blieb nicht aus – moniert wurde die fehlende Lösung für die Musikschule und das Vorgehen des Stadtrats.
Man stimme dem Grundstückstausch grundsätzlich zu, sagte Anja Bernet im Votum für die SP-Fraktion. Allerdings bliebe die Musikschule so auf der Strecke und auch kulturelle Bedürfnisse würden nicht erfüllt. Man erwarte vom Stadtrat, eine Lösung für Musik und Kultur (Seite 3). Ähnlich klingt es von Seiten der Grünen Prowil. Die «Gsundstadt» sei ein Vorzeigeprojekt, betont Matthias Löpfe, allerdings solle die Kultur nicht einfach «rausgeschmissen» werden. Wieder einmal habe die Stadt das Parlament vor ein fixfertiges Projekt gestellt, statt den Prozess öffentlich zu machen, kritisiert der Grüne-Politiker. Man wolle dem Projekt zwar nicht im Weg stehen, sei aber enttäuscht über das Vorgehen des Stadtrats, weshalb sich die Partei bei der Abstimmung grossmehrheitlich enthalte.
Schlussendlich hat das Stadtparlament dem Tauschgeschäft und den damit verbundenen finanziellen Mitteln mit 33 Ja-Stimmen bei 6 Enthaltungen zugestimmt. Die Empfehlung der Liegenschaftskommission, die öffentliche Nutzung verbindlich abzusichern, fand keine Mehrheit. Patrick Meyenberger meldete sich mit einem «Danke» aus dem Publikum zu Wort. Der Wiler Zahnarzt steht mit dem Architekten Pascal Scheidegger, der ebenfalls vor Ort war, hinter der Evoluo AG. Auf Anfrage dieser Zeitung verrät Meyenberger: «Es war eine grosse Erleichterung und gleichzeitig Freude. Der Entscheid zeigt, dass das Parlament den Mehrwert des Projekts für die Stadt Wil erkannt hat.» Nach einer intensiven Vorbereitungszeit sei dies eine Bestätigung, dass er und sein Geschäftspartner mit dem Projekt «Gsundstadt Wil» auf dem richtigen Weg seien. Dass das Parlament die Empfehlung der Liegenschaftskommission nicht angenommen hat, kommt der Evoluo AG zugute. Kurzfristig hätte sich wenig geändert, da wir selbst eine öffentliche Nutzung wünschen», so Patrick Meyenberger. «Aus unternehmerischer Sicht gewinnen wir jedoch Gestaltungsfreiheit, weil nicht mehr mit dem Einfluss weiterer Parteien zu rechnen ist.»
Der erste Meilenstein ist also erreicht. Doch an den Grundstückstausch ist eine weitere Bedingung geknüpft: die Bewilligung der Baueingabe. Nach dem Ja vom Stadtparlament startet die Evoluo AG gemäss Meyenberger nun neben der Ausarbeitung des definitiven Businessplanes und dem finalen Konzept der «Gsundstadt Wil» mit der Projektierung und Ausarbeitung der Baueingabe. Im Rahmen der Vorstudien habe man bereits sehr gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Behörden gemacht, betont der Wiler Zahnarzt. Er und Scheidegger seien deshalb zuversichtlich, ein bewilligungsfähiges Projekt zu erarbeiten. Natürlich liessen sich Einsprachen bei Projekten dieser Grössenordnung nie ganz ausschliessen, ist sich der Unternehmer bewusst. Derzeit gebe es allerdings keine konkreten Hinweise darauf.
Linda Bachmann
Gleich im Anschluss an das Grundstücksgeschäft wurde über den Kredit für den neuen Doppelkindergarten im Städeli befunden. Der Stadtrat beantragte einen Realisierungskredit von 4,2 Millionen Franken für das Neubauprojekt. Bereits im Vorfeld der Parlamentssitzung wurde Kritik am geplanten Bauvorhaben laut (WN vom 5. Februar 2026). Die Bau- und Verkehrskommission (BVK) stellte gar einen Rückweisungsantrag. Initiiert wurde dieser von Roger Edelmann (FDP Wil) und Sebastian Koller (Grüne Prowil). Im Rückweisungsantrag wird nicht nur das Verbesserungspotenzial des Projekts aufgezeigt, sondern konkrete Forderungen gestellt: Das BVK fordert eine mehrgeschossige Planung und eine Sicherstellung der Erweiterbarkeit des Projekts. Zudem sollen weitere Standorte für den Neubau überprüft und auf ein Provisorium während der Bauzeit soll verzichtet werden. Der BVK-Antrag verlangt also implizit nicht, am bestehenden Projekt herumzuschrauben, sondern ein grundsätzlich neues Projekt auszuarbeiten. Damit war die Mehrheit des Parlaments einverstanden und der 4,2-Millionen-Franken-Kredit wurde mit 27 zu 10 Stimmen bei 2 Enthaltungen an den Stadtrat zurückgewiesen. Der kurzfristig eingereichte Gegenantrag zu BVK der Mitte-EVP-Fraktion, der statt einer Neuprojektierung eine Anpassung des bestehenden Projekts forderte, konnte zuvor in der Ausmarchung der beiden Rückweisungsanträge nicht überzeugen. Der Stadtrat muss also eine komplette Neuprojektierung für den Doppelkindergarten im Städeli in Auftrag geben.
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