Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Zivilcourage kann erlernt werden. Adobe Stock
Im Rahmen der Aktionstage gegen Rassismus vergangenen März findet nächste Woche ein Workshop mit dem Zivilcourage-Trainer Melvin Hasler statt. Der Theaterpädagoge gibt einen Einblick, wie ein solches Training ablaufen kann.
Wil «Zivilcourage ist, sich für eine gerechtere Gesellschaft einzusetzen», so Melvin Hasler. «Durch die teilweise Verschiebung der sozialen Kontakte ins Internet, gerät der gesellschaftliche Raum als ein Raum, den wir alle mitverhandeln dürfen, manchmal aus dem Fokus.» Um dem entgegenzuwirken, führt der Theaterpädagoge Workshops durch, in denen er den Teilnehmenden einen Zugang zu Zivilcourage vermittelt.
Melvin Hasler, gibt es typische Situationen, in denen Menschen mehr Zivilcourage zeigen sollten?
Mehr Zivilcourage, mehr Einmischen wäre in vielen Lebensbereichen sinnvoll. Zivilcourage kann im öffentlichen Raum, aber auch im Berufsumfeld oder im bekannten und familiären Umfeld gezeigt werden. Unserer Erfahrung nach wollen viele Menschen Zivilcourage leisten. Aber oft weiss man nicht, wie, und macht dann aus Unsicherheit lieber nichts.
Wie läuft ein typisches Zivilcourage-Training ab? Welche Methoden und Übungen setzen Sie ein?
Der Kurs ist sehr interaktiv aufgebaut. Er beinhaltet viele Übungen zum Einsatz der Stimme und der Körpersprache. Wir arbeiten mit dem Medium des Theaters, um Szenen, die im Alltag erlebt werden, nachzustellen. Durch das Spiel in den Szenen ist der Lerneffekt extrem hoch. Es können in einer fiktiven Situation echte Emotionen generiert werden. Wir arbeiten auch mit Situationen, die die teilnehmenden Personen aus ihrem eigenen Alltag mitbringen. Immer wieder reflektieren wir auch im Plenum über das Erfahrene und Gelernte.
Was sind die häufigsten Hemmschwellen, die Menschen davon abhalten, einzugreifen? Wie kann man diese überwinden?
Je mehr Leute eine Situation, die Hilfe bedarf, mitbekommen, desto weniger ist der oder die Einzelne dazu bereit, die Verantwortung zu übernehmen und einzugreifen. Das ist ganz normal und liegt daran, dass wir eine soziale Spezies sind. Das heisst, wir orientieren uns in einer aussergewöhnlichen Situation an unseren Mitmenschen. Wenn diese auch nichts machen, denken wir, unser Bauchgefühl hat uns getäuscht, es wird schon nicht so schlimm sein. Das Problem ist, dass bei vielen Menschen innerlich das Gleiche abläuft und so schlussendlich niemand etwas macht. Wir können diesen Effekt überwinden, indem wir in einem ersten Schritt über diesen Effekt Bescheid wissen und uns in einem zweiten Schritt in einer effektiven Situation daran erinnern und ihn so überwinden können.
Welche Rolle spielt Körpersprache in Konfliktsituationen?
Die Körpersprache ist unser wichtigstes Instrument in Konfliktsituationen. Wir können mit ihr auch über die sprachliche Ebene miteinander kommunizieren. Und wir verstehen die Körpersprache unserer Gegenüber oft sehr gut. Es ist das Kommunikationsmittel mit der grössten Relevanz im sozialen Austausch. Oft spielt es nicht so eine Rolle, was wir sagen, sondern wie wir etwas betonen und welche Signale unsere Körper dabei aussenden.
Wie kann man in einer kritischen Situation eingreifen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen?
Zivilcourage zu zeigen, bedeutet nicht unbedingt, sich physisch in die Situation zu begeben. Wenn es um körperliche Gewalt geht oder, noch schlimmer, wenn Drogen oder Waffen dabei sind, dann wollen wir nie direkt eingreifen. Wir haben in diesen Situationen die Möglichkeit, Zivilcourage zu zeigen, indem wir aus sicherer Distanz die Polizei anrufen oder sonstiges Sicherheitspersonal informieren. Selbstschutz hat immer oberste Priorität. Im Idealfall wollen wir in einer Situation eingreifen, die uns fordert, aber nicht überfordert. Wir möchten in der Situation handlungsfähig bleiben. Diese Grenze ist bei jeder Person unterschiedlich.
Zivilcourage-Workshop: Am Freitag, 25. April, findet im katholischen Pfarreizentrum von 19 bis 22 Uhr der Zivilcourage-Workshop mit Melvin Hasler statt. Weitere Infos und Anmeldung unter: sabine.kutsch@kathwil.ch
Linda Bachmann
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