Ramon Gschwend
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Das Parlament entscheidet im Dezember, ob das Stadtfest 2027 stattfindet.
Nach der Steuerfussabstimmung hatte der Wiler Stadtrat weitere Sparmassnahmen angekündigt. Nun ist klar, wo er den Rotstift angesetzt hat: Im Budgetnachtrag sind neben verschiedenen Dienstleitungen und baulichen Anpassungen auch das Stadtfest und das Gare de Lion aufgeführt.
Wil Nach dem Entscheid der Wiler Stimmbürgerschaft gegen eine Steuererhöhung musste der Stadtrat das Budget 2027 entsprechend anpassen. Mit einem Steuerfuss von 115 Prozent wird der Stadtrat nun ein Defizit von 5,8 Millionen Franken budgetieren. Die sechs Steuerprozentpunkte schlagen sich erheblich auf der Einnahmeseite zu Buche: Der Stadtrat rechnet mit 3,8 Millionen Franken weniger Steuereinnahmen als zuvor bei einem Steuerfuss von 121 Prozent. Mitte Oktober kündigte er an, 2,2 Millionen Franken dieser Mindereinnahmen mit zusätzlichen Sparmassnahmen aufzufangen. «Es geht um Leistungsstandards, freiwillige Beiträge, Anlässe – es wird alles Mögliche betreffen. Das wird auch die Bevölkerung spüren», betonte Stadtpräsident Andreas Breitenmoser. Nun hat der Stadtrat den Budgetnachtrag verabschiedet.
In dem fünfseitigen Dokument sind 174 Massnahmen aufgeführt, 170 davon betreffen die Ausgaben- , vier die Einnahmenseite des Budgets 2027. Zusammen ergeben sie eine finanzielle Entlastung von insgesamt 3'815'200 Franken. «Bei der Ausarbeitung des Budgetnachtrags hat der Stadtrat insbesondere geprüft, welche freiwilligen Leistungen die Stadt Wil über ihre gesetzlichen Aufgaben hinaus erbringt und wo Kosten eingespart werden können», kommunizieren die Behörden. Grundlage dafür seien Vorschläge aus allen fünf Departementen der Stadtverwaltung. Die einzelnen Aufwandskürzungen belaufen sich auf Beträge zwischen 500 Franken für die Streichung der «Active City»-Shirts oder die Beitragsreduktion für den «Club der Älteren» und Einsparungen von 209'000 Franken bei den internen Verrechnungen von IT-Betriebskosten im Schulbereich. Inhaltlich stechen allerdings andere Massnahmen weitaus mehr hervor: 2027 soll auf das Stadtfest verzichtet werden. Damit würde die Stadt 30'000 Franken sparen. Der Parlamentsausflug soll wegfallen und die Enten im Stadtweier nach dem Vogelgrippevorfall im vergangenen Jahr nicht ersetzt werden. Ausserdem soll der Beitrag für den Umbau des «Gare de Lion» um 50'000 Franken reduziert werden.
Weiter spart die Stadt Wil bei Familien, Schulen und Freizeitangeboten. So fallen 2027 sämtliche Sommerlager weg, die kurzfristig nicht mehr abgesagt werden können. Damit werden 125'300 Franken einspart. Bei der Schulzahnpflege wird das Budget um 130'000 Franken gekürzt, die Aufgabenhilfe wird gestrichen. Zudem entfallen die Gratis-Spielgruppen ab Sommer 2027 für sechs Monate. Die entsprechende Budgetreduktion beträgt 50'000 Franken. Gleichzeitig werden die Tarife der Musikschule um zehn Prozent erhöht. Für die Tagesstrukturen steigen die Elternbeiträge ab Sommer 2027 ebenfalls.
Weitere Einschnitte betreffen den Sport und die Freizeit. Die Jugendförderbeiträge an Sportvereine werden um 30'000 Franken gekürzt, die Infrastrukturbeiträge an Sportvereine um 25'000 Franken halbiert. Zudem wird das Sportanlagenkonzept gestrichen, was einer Budgetreduktion von 50'000 Franken entspricht. Auch die Angebote «Active City Wil» und «Sport über Mittag» fallen weg. Bei den Beiträgen an den öffentlichen Verkehr werden 77'000 Franken eingespart. Davon betroffen sind unter anderem Vergünstigungen für Kinder und Jugendliche sowie Mehrfahrtenkarten und Billette. Auch im öffentlichen Raum sind Einschränkungen vorgesehen. Die Stadt verzichtet auf die Erneuerung der Weihnachtsbeleuchtung in Rossrüti und Bronschhofen und spart damit 75'000 Franken. Bei den öffentlichen WC-Anlagen wird das Reinigungsintervall halbiert, was eine Reduktion von 40'000 Franken ermöglicht. Der Kulturpreis für 12'000 Franken soll nicht vergeben und auf die 1.-August-Feier soll für 26'000 Franken verzichtet werden.
Das Budget 2027 weist mit den Nachträgen einen Aufwand von 196,75 Millionen Franken und einen Ertrag von 190,98 Millionen Franken aus. Daraus resultiert ein Defizit von rund 5,78 Millionen Franken. Das Stadtparlament berät das Budget 2027 einschliesslich des Budgetnachtrags und des beantragten Steuerfusses an seiner Sitzung vom 3. Dezember. Dabei entscheidet es über die beantragten Massnahmen. Ob das Wiler Stadtfest nächstes Jahr tatsächlich gestrichen wird, hängt also vom Stadtparlament ab. Über den Budgetnachtrag hinaus arbeitet der Stadtrat an einer nachhaltigen Sanierung des städtischen Finanzhaushalts. Grundlage dafür ist der Beschluss des Stadtparlaments vom Juli zur Beseitigung des strukturellen Defizits. Das Ziel ist es gemäss dem Stadtrat spätestens mit dem Budget 2030 einen nachhaltig ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.
Linda Bachmann
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