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Michael Sarbach der Grünen Prowil fordert Massnahmen zur Attraktivierung der Wiler Innenstadt.
Michael Sarbach der Grünen Prowil setzt sich für eine lebendige Stadt Wil ein: In einer Interpellation fordert er den Stadtrat auf, publikumsorientierte Erdgeschossnutzungen in der Altstadt und der Oberen Bahnhofstrasse zu überprüfen.
Wil «Wil soll leben – nicht nur wohnen» – so lautet die Interpellation, die Michael Sarbach kürzlich mit 18 Mitunterzeichnenden beim Stadtrat einreichte. Der Stadtparlamentarier der Grünen Prowil befürchtet, dass die Äbtestadt ohne gezielte Massnahmen ihre Vielfalt und somit ihre Attraktivität verliert.
In der Innenstadt von Wil, so heisst es im Schreiben des Erstunterzeichners, sei seit einiger Zeit eine deutliche Veränderung der Nutzungsstruktur festzustellen: Mehrere traditionsreiche Bars, Cafés und Restaurants hätten geschlossen, deren ehemalige Räumlichkeiten zunehmend in Büros oder Wohnraum umgenutzt würden. Gleichzeitig würden einseitige Angebotsformen wie beispielsweise Nagelstudios oder Barbershops zunehmen, die bei zu grosser Dichte einen negativen Einfluss auf die Attraktivität des Umfelds haben könnten. «Es geht nicht darum, einzelne Branchen schlechtzureden», betont Sarbach auf Anfrage dieser Zeitung. Allerdings sei in der Altstadt und an der Oberen Bahnhofstrasse in den letzten Jahren eine gewisse Monotonie entstanden.
Auch Wohnen sei zweifellos ein Bestandteil der Innenstadt, gibt der Stadtparlamentarier zu, doch eine rein wohnorientierte Nutzung könne zu Einschränkungen bei Veranstaltungen, zur Eindämmung des Nachtlebens oder zu Einsprachen gegen neue Projekte aufgrund potenzieller Lärmkonflikte führen. Zuletzt sei dies im Zusammenhang mit der Zwischennutzung im Haus zum Turm der Fall gewesen, aber auch einzelne Betriebe in der Altstadt könnten von Lärmklagen berichten. «Oft entstehen solche Konflikte, wenn Wohnen und Nachtleben zu eng aufeinandertreffen – und die Toleranzgrenze gegenüber städtischem Leben sinkt.»
Dass es gerade jüngere Menschen in grössere Städte ziehe, sei sich Michael Sarbach bewusst. Aber noch vor nicht allzu langer Zeit sei man deutlich häufiger in Wil geblieben oder sogar extra hierhergekommen. «Wil hatte eine lebendige Szene von Pubs, Bars und Ausgangsbeizen. Auch mehrere Clubs», erinnert sich der Wiler. Allein während der Fastnacht seien es weit über 20 dekorierte Lokale gewesen, obwohl lange nicht alle mitgemacht hätten. Heute sei davon wenig übrig. «Wenn wir diese Angebote ganz verlieren, verlieren wir auch ein Stück Identität.» Um dies zu verhindern, fordert Sarbach den Stadtrat auf, Massnahmen zur Förderung der Nutzungsvielfalt und lebendiger Erdgeschosse zu treffen.
«Es braucht ein gesundes Gleichgewicht aus Gastronomie, Detailhandel, Kultur und Dienstleistungen», schlägt der Stadtparlamentarier vor. Die laufende Ortsplanungsrevision biete eine Chance, die Weichen planerisch richtig zu stellen. Dabei gehe es ihm aber weder um Regeln noch um Verbote: «Die Interpellation will keine starren Vorschriften, sondern eine strategische Debatte anstossen», betont er. So würde eine etwaige Pflicht zu publikumsorientierten Nutzungen von Erdgeschossen wieder ein neues Risiko für Leerstände bergen. Andere, mit Wil vergleichbare Städte hätten gezeigt, dass mit sanften Instrumenten wie Gestaltungsvorgaben, Zwischennutzungsprogrammen oder differenzierten Mietmodellen die Vielfalt gefördert werden könne, so der Wiler. Als Beispiel nennt er Rapperswil, wo gezielte Mietzinsreduktionen bei publikumsorientierten Nutzungen gewährt würden. Aarau und Thun würden die Nutzung leerstehender Lokale durch Zwischennutzungen mittels erleichtertem Bewilligungsverfahren oder der Vermittlung möglicher Pop-up-Nutzungen aktiv fördern.
Linda Bachmann
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