Arjeta Osmani
absolviert derzeit ihre Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau.
Benjamin Fust im Gespräch über den Aufbau der FC-Wil-Community und die Entwicklung eines eigenständigen Vereins mit starkem Vereinsleben. le
Benjamin Fust, Präsident von Fussballstadt Wil und CEO des FC Wil 1900, spricht über die Idee, eine eigenständige FC-Wil-Community aufzubauen. Im Zentrum stehen ein aktives Vereinsleben, vielseitige Events und die nachhaltige Unterstützung des FC Wil durch seine Mitglieder.
Benjamin Fust, was bedeutet der Begriff «Fussballstadt Wil» konkret für Sie und den FC Wil?
Wir wollen ein Gefäss schaffen, mit dem wir eine Community aufbauen können. Das Thema ist: Wir sind eine AG, nicht ein klassischer Verein, irgendwie schon, aber eben auch nicht ganz. Uns fehlt dieses typische Vereinsleben, wie es zum Beispiel der FC Bütschwil oder der FC Wil 1900 Breitensport haben. Genau dem wollen wir entgegenwirken und eine eigene Community aufbauen. Der Verein soll zudem auch den FC Wil finanziell unterstützen, das ist eines unserer Ziele. Wir hätten die Mitgliedschaften auch einfach über die FC Wil 1900 AG anbieten können, aber uns war wichtig, ein eigenes Gefäss zu schaffen.
Warum war gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, den Verein «Fussballstadt Wil» zu gründen?
Die Idee ist schon früher entstanden, aber offiziell gegründet haben wir den Verein Ende 2025 und zwar ganz bewusst anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums. Am 125. Geburtstag des FC Wil 1900 haben wir den Verein dann offiziell ins Leben gerufen.
Welche konkreten Ziele verfolgt der neue Verein in den nächsten drei bis fünf Jahren?
Unser erstes Ziel ist es, einen soliden Stamm an Leuten aufzubauen, damit das Vereinsleben aktiviert wird. Aktuell haben wir bereits 160 Mitglieder. Ursprünglich hatten wir uns vorgenommen, bis Ende Jahr 190 Mitglieder zu erreichen, angelehnt an das 1900 im Namen des FC Wil. Dieses Ziel werden wir erfreulicherweise wohl übertreffen. In den ersten vier Tagen wurden wir regelrecht überrannt. Jetzt geht es darum, den Verein mit Leben zu füllen, eine Community zu schaffen, Leute an unsere Anlässe zu bringen und den Verein wachsen zu lassen.
Wie soll die Initiative dazu beitragen, den Profifussball in Wil langfristig zu sichern und zu stärken?
Zum einen steht ganz klar der Community-Aspekt im Zentrum: Es soll eine Fanbasis entstehen, die gemeinsam an die Spiele geht – auch auswärts – und an Events rund um die Heimspiele teilnimmt. Zum anderen wollen wir aus dem Vereinsvermögen jährlich einen Unterstützungsbeitrag an den FC Wil übergeben.
Ein zentrales Ziel ist die Stärkung der Fanbasis, wie wollen Sie neue Fans gewinnen und bestehende stärker einbinden?
Indem wir ein interessantes und attraktives Vereinsleben aufbauen, vor allem durch coole Events. Uns ist wichtig, dass wir eine gute Menge an Veranstaltungen und eine regelmässige Kadenz haben. So schaffen wir Erlebnisse, welche die Leute gerne besuchen.
Von welchen Events sprechen Sie konkret?
Unser Ziel ist es, fixe Highlights wie einen Frühlings- und einen Herbstevent zu etablieren, einer davon ist auch die Mitgliederversammlung. Daneben planen wir verschiedene Side-Events: Zum Beispiel treffen wir uns auf ein Feierabendbier im Gemsli oder gehen gemeinsam an Auswärtsspiele. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der exklusive Zugang für Mitglieder zum FC Wil. Etwa durch Vorträge, zum Beispiel von Michi Lang oder Marco Hämmerli, bei denen sie aus dem Innenleben des Clubs berichten. So bekommt man einen viel tieferen und exklusiven Einblick.
Der Verein «Fussballstadt Wil» ist unabhängig und nicht gewinnorientiert – wie wichtig ist diese Struktur für die Glaubwürdigkeit des Projekts?
Das ist sehr wichtig, weil sonst schnell der Eindruck entstehen könnte, es handle sich einfach um einen Ableger des FC Wil. Dass ich den Verein präsidiere, zeigt natürlich die Nähe – auch, dass die Idee aus diesem Umfeld entstanden ist. Trotzdem ist es uns sehr wichtig, unabhängig vom FC Wil zu sein. Wir wollen kein Vermögen anhäufen, sondern den FC Wil gezielt unterstützen.
Wofür sollen die gesammelten Mittel konkret eingesetzt werden, und wie stellen Sie Transparenz sicher?
Schlussendlich wird im Vorstand und an der Vereinsversammlung festgelegt, was konkret unterstützt wird. An erster Stelle steht dabei der Spitzensport, aber wir sind auch offen für breitere Unterstützungen.
Woher kommt der Name «Fussballstadt»?
Den haben wir gemeinsam erarbeitet, und er hat am meisten Anklang gefunden.
Welche Rolle spielen regionale Partner und die Wirtschaft in diesem Netzwerkgedanken?
Die Wirtschaft wollen wir aktiv miteinbeziehen. Eines der Goodies für unsere Vereinsmitglieder wird sein, dass sie bei unseren Partnern Vorteile erhalten, zum Beispiel günstiger in einem Restaurant essen oder von Rabatten profitieren können. Gleichzeitig ist es unser Ziel, auch Leute aus der Wirtschaft ins Vereinsleben zu integrieren. Der Verein soll für jedermann sein und insbesondere die Besucher der Gegentribüne abdecken, von jung bis alt, quer durch alle sozialen Schichten.
Woran werden Sie persönlich in einigen Jahren messen, ob «Fussballstadt Wil» ein Erfolg geworden ist?
Das zeigt sich letztlich an den Mitgliederzahlen: Wenn man gute Events macht, bleiben die Leute dem Verein treu.
Was bedeutet Ihnen persönlich der Fussballstandort Wil, und was treibt Sie an, sich über Ihre Funktion hinaus für solche Projekte zu engagieren?
Ich finde die Idee mega cool. Mich hat schon die Entwicklung total gepackt – auch wenn das natürlich zusätzlichen Aufwand bedeutet, mit Sitzungen am Abend. Ich bin mit viel Herzblut dabei und könnte mir gut vorstellen, dem Verein treu zu bleiben, selbst wenn ich irgendwann nicht mehr beim FC Wil arbeiten sollte.
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