Redon Ismaili
beantwortet diese Woche die Fragen im WN-Vereins-Domino.
Die Sanierungsarbeiten des Wiler Turms haben vergangene Woche mit einiger Verzögerung begonnen. Der Holzbauingenieur und Bauleiter Jan Stelcl gibt Auskunft über den Ablauf der Bauarbeiten.
Wil Der Himmel über der Äbtestadt ist strahlend blau. Kein einziges Wölkchen stört die Aussicht, die sich einem auf dem Hofberg über Wil bietet. Einzig das Brummen von schweren Maschinen durchbrach das idyllische Frühlingserwachen am vergangenen Donnerstagnachmittag. Die Sanierungsarbeiten am Wiler Turm haben begonnen.
Die Umgebung rund um das Wiler Wahrzeichen ist abgesperrt. Über der Holzkonstruktion ragt der Arm eines gelben Krans in die Höhe. Er wird langsam weiter ausgefahren, die Seile spannen sich, das Dach wird angehoben. Knapp zehn Minuten später liegt die rund 7,2 Tonnen schwere Konstruktion unversehrt hinter dem Turm auf der Wiese. «Die Etappe eins hat schonmal gut geklappt, im nächsten Schritt werden die X-Säulen ausgewechselt», erklärt Jan Stelcl den Vorgang. Er begleitet als Bauleiter und Holzbauingenieur die geplanten Sanierungsarbeiten. Der Aussichtsturm ist bereits seit August 2025 gesperrt. Ursprünglich sollte die Bauphase zwischen Oktober und Dezember des vergangenen Jahres stattfinden. Die Verzögerung liegt gemäss der Stadt Wil an den anspruchsvollen Rahmenbedingungen und der Einmaligkeit der Aufgabe. Vieles musste nochmals vertieft abgeklärt werden – vom Zeitpunkt der Baumernte über die Behandlung der Stämme bis hin zur Baustellenlogistik.
Grund für das Baumaschinenaufgebot sind Witterungsschäden am Holzturm, die ohne eine Instand-haltung die Schliessung des Aussichtspunktes zur Folge gehabt hätten: Die Lebensdauer der für die
X-Säulen verwendete Holzart wurde falsch eingeschätzt. «Douglasie ist sehr witterungsbeständig. Sie wird unter anderem für Sichtbare Aussenholzfassaden verwendet», erklärt Jan Stelcl. Durch den beinahe Vertikalen stand der Säulen, könne sich auch nirgends Wasser sammeln. Trotzdem wurde bei Widerstandsmessungen im Holz vor vier Jahren Handlungsbedarf festgestellt: Das Splintholz, der äussere weichere Teil um das harte Kernholz, war beschädigt. Durch direkte Bewitterung und Trocknung sind feine Risse entstanden, in denen sich Wasser angesammelt hat», sagt der Holzbauingenieur. Das Holz hat an Tragfähigkeit verloren. Damit dies nicht mehr passieren kann, wurden die neuen Stämme gemäss Stelcl zweifach imprägniert. «Das bedeutet eine drei- bis vierfache Lebensdauerverlängerung des Holzes», so der Bauleiter. Für das Wiler Wahrzeichen rechnet er so mit nochmal 50 Jahren.
Die 16 und 18,5 Meter langen Stämme sind aus Weisstanne. Sie kommen aus einem Umkreis von rund fünf Kilometern und wurden vom Forstbetrieb der Ortsgemeinde Wil zur Verfügung gestellt. Das behandelte Holz wurde vergangen Freitag angeliefert und soll in den kommenden Tagen montiert werden. Das Ziel sei es, so der Bauleiter, pro Woche eine Achse auszuwechseln. Als zusätzlicher Witterungsschutz wird aussen am Treppenkern eine Lammellenverkleidung angebracht. Die Holzelemente dafür werden aus den alten Stämmen gefertigt.
Die Arbeiten dauern gemäss der Stadt Wil voraussichtlich bis nach den Sommerferien. «Wie schnell wir sind, hängt vom Wetter ab. Genauer gesagt vom Wind», so Jan Stelcl. Bis zu einer Windgeschwindigkeit von 30km/h könnten die Arbeiten durchgeführt werden. «Regen spielt keine Rolle. Aber bei starkem Wind in 35 Metern Höhe auf einer Hebebühne zu stehen und dabei unter anderem Schweissarbeiten durchzuführen – das wäre unverantwortlich.» Sogenannte Stehtage, an denen die Maschinen aufgrund der Witterungsverhältnisse nicht eingesetzt werden können, seien aber sowohl im Zeitplant als auch im Budget miteinberechnet, betont der Bauleiter.
Das Parlament hatte den Kreditantrag des Stadtrats über 670'000 Franken für die Sanierung des Wiler Turmes im November 2024 gutgeheissen. Wie es momentan aussieht, könne diese Budget eingehalten werden, so die Stadt Wil. Endgültig ersichtlich seien die Gesamtkosten allerdings erst nach Projektabschluss.
Von Linda Bachmann
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