Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Die Solviva AG zieht in Flawil die Notbremse. Das Neubauprojekt hat sich über zwei Jahre auch wegen eines Rekurses verzögert und derart verteuert, dass ein neues Projekt aufgegleist werden soll. Eine Chance für das alte Spital?
Flawil Just zum Beginn der Sommerferien lässt die Viva Group, zu der die Solviva Immobilien AG gehört, eine Bombe platzen. Sie schreibt in einer Mitteilung, dass die Baubewilligung für das neue Gesundheits-, Therapie- und Pflegezentrum (GTP) Flawil nun rechtskräftig sei. Das bewilligte Projekt sei aber in der heutigen Version aufgrund veränderter
Rahmenbedingungen nicht umsetzbar. Im Zentrum der Überlegungen für die Neuplanung stehe nun die sinnvolle Umnutzung des bestehenden Gebäudes. Die WN haben Daniel Meier, Geschäftsleiter GTP, zum Solviva Projekt befragt.
Mit dem Weiterzug der Einsprache war die weitere Entwicklung des Vorhabens Flawil in den letzten Monaten nicht absehbar. Nach erfolgtem Rückzug und der Erteilung der Baubewilligung war es uns ein Anliegen, schnell und transparent zu informieren. Die kritische Entwicklung der Kapital- und Zinsmärkte und die veränderte Marktlage hatten wir strategisch schon länger im Fokus. Die Entscheidung, definitiv nicht neu zu bauen und in einer neuen Variante zu planen, hat der Verwaltungsrat erst kürzlich getroffen.
Es sind unterschiedliche Projekte, die in unterschiedlichen Stadien waren. In Wattwil hat die Gemeinde ihr Vorkaufsrecht auf das Spital geltend gemacht, und das haben wir vorbehaltlos respektiert. In Appenzell war das Projekt auf der Ebene Machbarkeitsstudie. In Flawil sind wir mit unserem Engagement deutlich weiter und haben bereits eine hohe Vorinvestition in die Planung und Entwicklung getätigt. Hier haben wir die klare Absicht, ein regionales Gesundheitszentrum zu realisieren. Der Bereich Sonderpflege, in dem die Solviva Care AG tätig ist, ist ein wirtschaftlich anspruchsvolles Dienstleistungsgeschäft. Ein teurer Neubau in Flawil hätte in der aktuellen Lage der Tarif- und Personalkostenentwicklung die Solviva Care AG als grösste Ankermieterin des GTP Flawil, zu stark gefordert.
Nein, das sehe ich nicht so. Eine Neuprojektierung auf Basis der bestehenden Bausubstanz bringt eine neue Chance. Wir werden in intensivem Dialog mit der Gemeinde und den beteiligten Partnern über erweiterte Nutzungsmodelle für das bestehende Areal nachdenken und das Vorhaben von Beginn weg breiter aufstellen. Wenn es uns gelingt, die Investitionskosten tiefer zu halten, wird es auch einfacher sein, weitere Nutzer und Mieter für den Standort Flawil zu gewinnen. Auf Basis der aktuellen Investitionskosten wäre das schlicht nicht machbar gewesen. Betreffend den Aufbau eines Sonderpflegeangebotes werden wir den Markt erneut validieren und den Bedarf für den Kanton St.Gallen neu klären. Im Kontext des zunehmenden Fachkräftemangels macht es wenig Sinn, auf Platz ein zusätzlich konkurrierendes Angebot zu schaffen, wenn der Bedarf nicht explizit gegeben ist.
Wir bleiben weiter im Gespräch mit dem Paraplegikerzentrum Nottwil und werden auch in der neuen Lösung versuchen, gute Voraussetzungen für einen Aussenstandort Ostschweiz zu schaffen. Wir haben auch die anderen Partner transparent informiert und bereits positive Zusagen, dass erste Partner die Neuplanung mittragen und in dieser Variante eine Chance für sich sehen.
Ja, die Solviva Immobilien AG wird Zwischennutzungen prüfen und wir werden rechtzeitig informieren, wenn entsprechende Pläne vorliegen.
Von Andreas Lehmann
Am Standort Flawil wollte die Solviva Immobilien AG 45 Millionen Franken in das Neubauprojekt investieren. Als Ankermieterin war die Solviva Care AG, als Teil der Viva Group, vorgesehen. Sie wollte ein Sonderpflegeangebot mit 75 Betten in der nachklinischen Betreuung per 2025 realisieren. Dies sei wegen veränderter Rahmenbedingungen nun nicht mehr möglich, heisst es weiter. Grund dafür sei unter anderem die Bauteuerung. Diese betrage seit Oktober 2021 8,2 Prozent. Die Solviva Immobilien AG müsste somit 3,7 Millionen Franken zusätzlich investieren. Zusätzlich habe sich die Situation auf dem Hypothekar- und Finanzmarkt drastisch verändert, denn die Zinsen für langfristige Finanzierungen hätten sich seit der Baueingabe fast verdreifacht. Im Weiteren würden sich die Finanzierer in der aktuellen Marktsituation eine schnellere Amortisation ausbedingen, um ihre Finanzierungsrisiken bei Grossprojekten zu minimieren.
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